Donnerstag, 3. November 2016

Bonjour Marocco



Da sind wir nun also, liebe Freunde, in Marokko.
Und es fühlt sich so vertraut an, obwohl seit unserem letzten Besuch hier fast 8 Jahre vergangen sind.
Aber der Reihe nach...

Kurz vor 10.00 Uhr treffen wir am Hafen in Algeciras ein.



Die ersten Formalitäten, nämlich die Ausreise aus Europa und die Bordkarte, wurde sofort erledigt.
Wir hatten dann noch Zeit, alles Nötige zusammen zu packen, gegen 10.30 Uhr wurden die ersten LKWs in den Bauch der Schnellfähre eingewiesen.
Auch wir waren ziemlich schnell dran. Die Männer hatten sofort erfasst, dass unser Böschungswinkel durch den Fahrradträger recht gering ist und ließen uns vorwärts die Rampe hinauf fahren, während alle anderen rückwärts einparken mussten. Erst in dem großen Laderaum wurde uns bedeutet zu wenden, platzsparend einfädeln. Fertig.
Im Passagierdeck wurden wir gleich zum Schreibtisch des Grenzbeamten aus Marokko weitergeleitet und da wir unsere Formulare schon am Abend vorher ausgefüllt hatten, hatten wir nach 5 Minuten bereits unseren Einreisestempel im Pass, noch bevor die Fähre abgelegt hatte.

Tiziano Terzani, der große Asienkenner und Journalist, hatte in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts Schiffe als die letzten Refugien des geruhsamen reisens bezeichnet. Man konnte an der Reling stehen und langsam das Ufer entschwinden sehen, sich auf hoher See auf die Ankunft an neuen Gestaden vorbereiten, die salzige Luft einatmen und in der Weite des Meeres seine Gedanken fliegen lassen.
Das ist vorbei.
Die Fähre ist ein rundum geschlossener Kasten, von der man das Meer nur durch die vom Salzwasser verkrusteten Fenster sehen kann.
Das Passagierdeck mutet an wie ein Großraumflugzeug mit seinen Reihen von Pullmansitzen.
Wir freuen uns trotzdem am Anblick des großen Felsens von Gibraltar, als wir an ihm vorbei düsen und an der türkisblauen Farbe des Mittelmeers in dem unser Schiff eine breite, weiße Schaumspur hinterlässt.




Die Küste Spaniens ist noch deutlich als langer Höhenzug im Dunst zu sehen, als, diesem sehr ähnlich, die Küste von Marokko auftaucht. Keine Stunde hat die Fähre für die Überfahrt gebraucht.

Das letzte Mal brauchten wir ziemlich lange um in Marokko mit unserem Wohnmobil durch den Zoll zu kommen, alle Formalitäten zu erledigen. „Freiwillige Helfer“, die für ein Bakschisch dabei halfen wuselten überall herum, Geldwechsler warteten auf die Reisenden und die ersten Händler boten schon ihre Waren feil.
In Tanger Mediterraneé, dem neuen Hafen, nichts von alledem.
Eine großzügige, gut ausgeschilderte Anlage, freundliche, korrekte Beamte in schicker Uniform begrüßen uns, machen einen kleinen Scherz, weisen uns den Weg zur nächsten Station. Hier dauert es nur wenige Minuten, inklusive Durchgang mit einem Drogenhund und wir sind beim Zoll angekommen. Dort werden die Unterlagen, die wir bei Carlos in Spanien bekommen haben durchgeblättert, ein freundlicher Gruß: „bon voyage!“ und wir sind in Marokko angekommen. Das Ganze hat etwa 20 Minuten gedauert.

Die neu gebaute Autobahn führt in großem Bogen nach Tanger und wir folgen ihr bis Asilah, wo wir am frühen Nachmittag eintreffen.
Durch die Zeitumstellung in Europa auf die Winterzeit und den Zeitunterschied zu Marokko leben wir sozusagen von jetzt auf gleich 2 Stunden früher. Eine ziemliche Umstellung.
Den Parkplatz an der alte Stadtmauer finden wir schnell wieder, werden sogleich eingewiesen, obwohl außer uns nur ein britisches Wohnmobil hier steht.






Wir schlendern durch die Medina, eine der schönsten von Marokko mit ihren weiß getünchten, blau verzierten Häusern und den künstlerischen Malereien auf den Mauern, und schauen von der alten Zitadelle aufs Meer.


Dann wandern wir hinaus auf die lange Mole zu den Fischern, die gerade herein kommen und ihren Fang ausladen.
Später lassen wir uns von einem der „Anreißer“ vor den Restaurants an der Stadtmauer verfüihren, auf bunte Plastikstühle platzieren und essen eine vorzügliche Tajine mit Fisch. Rüdiger erfreut ihn mit seinen fast verschütteten Arabischkenntnissen, die nun nach und nach wieder zum Leben erwachen.
Ein ganzes Rudel junger Katzen streicht uns um die Beine und bettelt energisch um ihren Anteil. Erst als wir fertig sind machen sie sich davon. Sie spüren wohl genau, wenn nichts mehr zu holen ist.

Unseren Verdauungspaziergang machen wir durch die Geschäftsstraße von Asilah. Erst jetzt, nach Einbruch der Dunkelheit entfaltet sich hier das volle Leben. Die Leute flanieren, kaufen ein, machen ein Schwätzchen und genießen den lauen Abend. So wie wir.
Nun, so fühlen wir, sind wir wirklich angekommen. Das ist „Arabien“ in all seiner Fülle, mit seinen Geräuschen, Gerüchen und der Betriebsamkeit, die erst am Abend richtig erwacht.

Vor der Stadtmauer ist es still geworden, nur das Meer rauscht uns ein Schlaflied.

Am nächsten Morgen starten wir früh. Es wird ein langer Fahrtag, unser Ziel ist der Campingplatz bei Safi. Wir müssen Wäsche waschen, Wasser fassen, die Abwassertanks entleeren usw.
Die Wäsche setzen wir früh an, dann sollte sie am Nachmittag durch sein.
Für alle, die noch nie eine Wohnmobilwaschmaschine gesehen haben -
die Wäsche wird morgens eingefüllt, Waschmittel und Wasser dazu. Die kleine Tonne steht im Bad, wo sie nicht umfallen kann, die große diesmal auch, kann aber auch auf dem Dach festgeschnallt werden.
Dann geht es auf die Straße. Straßen mit Schlaglöchern sind besonders geeignet, da es da ordentlich rüttelt – wir sind der Überzeugung, dass so der Begriff „Waschstraße“ entstanden ist. Wenn wir ankommen, müssen wir die Wäsche nur noch spülen und aufhängen.
Bewährtes Prinzip.

Wir sind also schon auf der Autobahn, als die Sonne farbenprächtig über dem Rif-Gebirge aufgeht, und schaffen einiges an Kilometern.
Vorbei an großflächigen Gewächshausanlagen, in den zum Beispiel Bananen angebaut werden, kommen wir bis zur Raststätte bei Kenitra.
Frühstückspause.
Weiter geht es Richtung Casablanca - Rabat. Die Gewächshäuser werden von Korkeichenwäldern abgelöst.
In Casablanca fahren wir von der Autobahn ab, durch die Stadt. Eine Großstadt wie jede andere, jede romantische Vorstellung wird hier zunichte gemacht.
Danach geht’s auf die N-1 über die Dörfer. Das ist etwas anstrengender, aber viel spannender. Buntes Marktgewimmel in den meisten Orten, Kinder auf dem Weg zur Schule, Pferdewagen und Sammeltaxis. Überall ist was los. Es gibt viel zu sehen.

Auch in Marokko gibt es ein Neubauprogramm.
Jedes Städtchen hat hier sein „Marzahn“, seine Neubausiedlung mit großen Wohnblocks.

Foto Neubauten

Einmal sehen wir eine großes Gelände mit fertigen Straßen und Laternen, abgesteckten Grundstücken und Maklerbüros. Nur die Häuser fehlen noch.
Wir überqueren Flüsse, zum Beispiel auf dieser wunderschönen Brücke,



fahren an großen, steinigen Feldern und kleinen Gärten vorbei.
Hinter El Jadida müssen wir erst die stinkenden Raffinerien passieren, bevor die Straße sich bis an die Küste schlängelt. Die Brandung schäumt hoch über die Dünen.
Immer der Küstenlinie folgend, erreichen wir am frühen Nachmittag Safi, finden den Campingplatz, der zu unserer Enttäuschung verlassen wirkt.
Wir beschließen weiter zu fahren und den anderen, im Reiseführer beschriebenen direkt am Strand zu suchen.
Weiter an der Küste entlang geht es, durch Gemüsefelder, die bis an den Strand reichen. Kohl wird hier angebaut und Tomaten und die weißen Rüben, die in jede Tajine gehören.





Der Ozean glänzt wie gehämmertes Silber unterhalb der Steilküste, das Panorama ist atemberaubend.




Die Sonne sinkt tiefer, bald wird es dunkel sein. Noch etwa 30 Kilometer liegen vor uns.



Überall sind die Leute auf dem Heimweg, zu Fuß, mit dem Moped, dem Pferdewagen oder den Sammeltaxis. Viele winken uns fröhlich zu.




Dann ist es dunkel.
Die LKWs auf der schmalen Küstenstraße erscheinen in der Dunkelheit wie riesige, beleuchtete fahrende Festungen. Wir holpern über die ausgefransten Ränder des Straßenbelags. Trotzdem finden wir das kleine Schild an unserem Abzweig und dann sogar den auf einen Stein gemalten Hinweis auf den Campingplatz. Auf der sandigen Piste kommen uns zwei hell beleuchtete LKWs entgegen. Um Haaresbreite rangieren wir aneinander vorbei.
Die Piste will kein Ende nehmen, kein Licht weit und breit. Sind wir überhaupt richtig?
Dann endlich ein offenes Tor mit einer Tafel auf der die Campingtarife stehen. Geschafft.
Wir fahren hinein. Bis auf ein kleines Lämpchen am Eingang ist alles dunkel und verlassen. Ein paar Schritte weiter rauscht der Atlantik.
Diese Nacht bleiben wir auf jeden Fall hier stehen, das ist klar.
Als wir uns gerade nach einer Ecke für die Nacht umsehen, kommt ein junger Mann.
Aha, also ist doch jemand da.
Er zeigt uns den Platz für Wohnmobile, die Dusche und den Pool und wir können einchecken.

Das war unser absoluter Rekordtag – 630 Kilometer in 13 Stunden.
Wir sind total erledigt, improvisieren ein Abendessen und fallen ins Bett. Allerdings nicht ohne vorher noch einen Blick auf den Sternenhimmel zu werfen. Der Mond hängt als ganz schmale Sichel zwischen all dem Gefunkel. Traumhaft.
Wir sind gespannt, wie das Ganze bei Tageslicht aussieht.

Für heute aber, Gute Nacht liebe Freunde, bis zum nächsten Mal.
Doris und  Rüdiger




2 Kommentare:

  1. Wir wären schon jetzt gern bei euch und mein Fernweh steigt beim lesen ins unermessliche! Wir freuen uns riesig auf ein gemeinsames Abenteuer mit euch! :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bald ist es ja soweit. Habt noch ein bissel Geduld und lest bis dahin unseren Blog ;)

      Löschen