Freitag, 16. Juni 2017

An der schönen blauen Donau



Große Nächte

Die gelben Lilien und die lilanen Lupinen,
Kastanien blühn und Fliederbaum.
Spät blühn Holunder und Robinien
Und drängen weiß in unsern Traum.
Im Juni, in den großen Nächten,
macht manches Mal ihr Duft uns wach.
Was wir an Süße da genießen,
geht uns noch im Dezember nach.

Eva Strittmatter


Liebe Freunde,

wir sind in Serbien.
Schon vor fünf Jahren hat es uns hier ausgesprochen gut gefallen und wir entdecken einiges wieder, anderes neu.
Zunächst düsen wir durch die serbische Fortsetzung der Puszta, weites, flaches Land. Stunde um Stunde, Kilometer um Kilometer nur Felder. Große und kleine. Mais, Sonnenblumen, Getreide. In den Gärten vor allem Rosen, Clematis und Lilien. Überall duftet es wundervoll.
Bei soviel Landwirtschaft ist es fast unmöglich einen Platz für die Nacht zu finden und nach Campingplätzen sucht man hier auch vergebens.
So verbringen wir die erste Nacht an einer Tankstelle. Wir haben Wasser und schlafen gut, wenn auch kurz, denn Landwirtschaft beginnt sehr früh am morgen und auch Traktoren müssen tanken.



Weiter geht’s, vorbei an Belgrad in die Berge.
Im kleinen Städtchen Kučevo bekommen wir Geld am Automaten und kaufen ein. Dann biegen wir ab und fahren Richtung Donau. In den Bergdörfern kommen nicht oft Fremde vorbei und die Leute gucken erstaunt, wenn wir über die Dorfstraße knattern.
Die Wiesen sind hier noch bunt, wie in alten Bilderbüchern und die Straßen schmal, wie wir es lieben.



Wir erreichen die Donau bei Golubac und folgen ihr nun stetig. Mal auf gleicher Höhe mit ihr, mal hoch über dem Fluss bieten sich immer wieder spannende Aussichten. Ein Streckenabschnitt führt durch viele Tunnel an den Berghängen entlang und dann passieren wir das „eiserne Tor“. Auf der rumänischen Seite grüßt in Fels gehauen das Porträt des alten Königs Decebal.



Auf dem Wasser fallen uns mehrere Paddelboote auf. Respekt macht sich breit, denn heute weht ein heftiger Wind und die Donauwellen sind ziemlich hoch.
Bei Tekija finden wir an der Straße das Restaurant „Joca Krofna“. Hier treffen wir die Paddler wieder. Es ist eine deutsche Gruppe, die von Ungarn aus bis hierher gepaddelt ist und nun ihren Endpunkt erreicht hat.
Wir dürfen umsonst direkt am Wasser stehen unter duftendem Jasmin.
Abends gibt es lecker Fisch und kaltes Bier.




Am nächsten Tag fahren wir weiter bis zum Campinplatz hinter Grabovitza.
Wieder stehen wir direkt am Fluss, ausser uns gibt es nur ein paar Dauercamper, alles leidenschaftliche Angler.



Am Abend kommt Andrea an. Sie reist allein mit PKW und Klappzelthänger und hat schon den ganzen Balkan bis Griechenland abgeklappert. Nun ist sie auf der Rückreise. Wir verbringen einen netten Abend zusammen.
Die Frösche sitzen in den Wasserpflanzen am Ufer und veranstalten einen Höllenlärm. Uns stört das wenig.

 
Heute fahren wir nun endlich hinüber nach Bulgarien. 
Zuerst aber nutzen wir das freie W-Lan in dem kleinen Dorf.

Bis bald also
Doris und Rüdiger 

Mittwoch, 14. Juni 2017

Sommerreise – erste Etappe




Wahl

Ein Mandelbaum sein
eine kleine Wolke
in Kopfhöhe über dem Boden
ganz hell
einmal im Jahr

Einer im kleinen Stoßtrupp
des Frühlings
keinem zu Leid als sich selber
im Glaube an einen blauen Tag
vor Kälte verbrennen

Ein kleiner Mandelbaum sein
am Südhang der Pyrenäen
oder im Rheintal
der bleibt und wächst
wo er gepflanzt ist

Aber entlang gehen
bei diesem Mandelbaum
oder ihn plötzlich sehn
wenn der Zug
aus dem Tunnel kommt

Lachen und Weinen und die unmögliche
Wahl haben
und nichts ganz recht tun
und nichts ganz verkehrt
und vielleicht alles verlieren

Doch mit Ja und Nein und Für-immer-vorbei
nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel,
die Hand hinhalten

Hilde Domin




Liebe Freunde,

wir sind wieder unterwegs. Und wir stellen einmal mehr fest, dass das der uns liebste Zustand ist. Der Zustand unserer Wahl.

Zunächst fuhren wir aber nach Berlin um noch einige Dinge zu erledigen.
Hier erwischt uns der Regen und ein starkes Gewitter.
Vor dem Verein, wo wir nach wie vor stehen dürfen, haut es eine der großen alten Pappeln um.
Unser Düdo steht zwar in einem kleinen See, aber sonst ist ihm und uns nichts passiert.





Bevor wir starten, feiern wir, wie angekündigt, erst einmal Rüdigers 60sten Geburtstag – mit Eltern, Kindern, Kindeskindern und Freunden.
Es wird ein schönes Fest, alle fühlen sich wohl und Rüdiger strahlt.

Am nächsten Morgen starten wir zunächst Richtung Süddeutschland, von dort soll es nach Österreich gehen, wo wir nun endlich unseren Kühlschrank abholen können.
Das Wetter macht ne Sonnenpause, unsere Scheibenwischer haben gut zu tun.
Den ersten Abend verbringen wir in Selb, der Porzellanstadt.
Der Stellplatz ist toll, das Städtchen leider etwas trist. 


 Allein vom Porzellan kann man hier anscheinend nicht leben, obwohl man überall auf die Spuren der Porzellanherstellung trifft, sogar das Straßenpflaster ist stellenweise daraus.



Der Dienstag beginnt zunächst wieder mit etwas Sonne, aber schon am Vormittag ziehen dicke Wolken auf, aus denen dann auch reichlich Wasser fällt.
Es regnet nach wie vor als wir am frühen Abend in Passau ankommen.
Hier bei Passau fließt der Inn in die blaue Donau rin.“
Eigentlich wollten wir uns das anschauen aber es gießt immer stärker und so fällt unser Stadtbummel buchstäblich ins Wasser.

Immer an der Donau entlang fahren wir nach Österreich hinein. Wir verlassen sie an der Schlögener Schlinge um sie später bei Linz wieder zu treffen.
Satte grüne Wälder und Wiesen, adrette Höfe und Dörfer säumen unseren Weg.





Hinter Linz geht es über Mauthausen bis St. Pölten.
In Mauthausen suchen wir vergeblich nach einem Wegweiser zur
KZ-Gedenkstätte. Hingewiesen wird allerdings auf einen Soldatenfriedhof.

Wir wechseln von der Landstraße auf die A1, die uns bis kurz vor Wien bringt.
Am Wiener Wald entlang, einem wunderschönen Stückchen Erde, gelangen wir dann bis Ebreichsdorf, wo unser reparierter Kühlschrank wartet.
Die Firma ist bald gefunden, wir werden schnell, freundlich und kompetent bedient und am Nachmittag räumen wir unseren wieder funktionierenden Kühlschrank ein.




Endlich können wir ein paar Sachen bevorraten, denn wir haben keine Lust jeden Tag einzukaufen.
Wir essen gern und wir sind immer neugierig, wie „ein Land schmeckt“. So haben wir in all den Jahren, auf allen Reisen immer nur eine Notration an Bord gehabt, für den Fall, dass kein Laden oder Markt weit und breit ist oder wir anderweitig daran gehindert werden vor Ort einzukaufen. Sonst wird gegessen, was im jeweiligen Land zu bekommen ist.
Allerdings schmecken Milch, Butter und Frischkäse wohl hier in Europa überall so ziemlich gleich, zumal die Discounter ja inzwischen auch fast überall die gleichen sind und so legen wir davon einen kleinen Vorrat an.

Von Ebreichsdorf ist es nicht weit bis zum Neusiedler See. Dort übernachten wir in Illmitz, einem kleinen Ort, fast an der Ungarischen Grenze.
Wir essen ein Wiener Schnitzel im Dorfgasthaus, im Foyer der Touristen Information nutzen wir danach das sehr gute W-Lan und schlafen ruhig vor dem Gebäude der Caritas.

Am nächsten Tag haben wir die erste Etappe erreicht. Eine Pause ist angesagt.
Wir sind in Ungarn, im Kerekdombi Termalfürdö, einem Termalbad mit Kemping, wo wir ein paar Tage ausruhen wollen.



Zuletzt waren wir vor vier, fünf Jahren hier. Das Bad ist mit EU Geldern aufgehübscht und erweitert worden, auf dem Campingplatz hat sich so gut wie nichts verändert. Viel ist nicht los.
Ein paar deutsche Wohnwagen stehen um die Wiese herum, die ungarischen Dauercamper kommen erst am Wochenende. Der kleine Laden im Ort hat inzwischen aufgegeben, selbst für Brot muss man nach Tiszakecske fahren, 6 Kilometer entfernt.
Wir suchen uns eine ruhige Ecke, genießen das schöne Wetter und das gesunde Wasser. Es hilft besonders bei Problemen des Bewegungsapparates und bei Herz-Kreislaufproblemen. Das wird unseren Gelenken gut tun, besonders nach den langen Tagen auf der Straße.
Wir genießen also drei Mal am Tag das 36-38°C warme Wasser.




So verbringen wir ein paar geruhsame Tage, erleben ein typisches Puszta Gewitter und prachtvolle Sonnenuntergänge. Dann zieht es uns wieder auf die Straße. Unser nächstes Ziel ist Serbien. Von da aus werden wir dann Bulgarien erreichen.

Wir sind gespannt was uns erwartet.
Ihr auch?

Bis dann also

Doris und Rüdiger






Mittwoch, 24. Mai 2017

Zwischenstop

An besonders schönen Tagen
ist der Himmel sozusagen
wie aus blauem Porzellan.
Und die Federwolken gleichen
weißen, zart getuschten Zeichen,
wir wir sie auf Schalen sahn.

Alle Welt fühlt sich gehoben,
blinzelt glücklich, schräg nach oben
und bewundert die Natur.
Vater ruft, direkt verwegen:
'N Wetter, glatt zum Eierlegen!“
(Na, er renommiert wohl nur.)

Erich Kästner



Liebe Freunde,

diese besonders schönen Tage genießen wir nun, nach unserer Freunde-Besuchs-Runde. In Berlin wartete die Familie auf uns, in Sachsen-Anhalt der Garten.
Wir knuddelten also alle Kinder und Enkelkinder und auch die Oma, dann ging es aufs Land.
Da der Frühling nun endlich richtig loslegte, es richtig warm wurde und – wie es sich gehört – dazwischen auch mal ein paar Regentropfen fielen, wuchs alles üppig. Der Rasen musste also gemäht, den Kräutern etwas Luft verschafft werden.
Besonders freute uns, dass der Rhododendron dieses Jahr so üppig blüht.


Damit wir die Sonne vor unserer „Laube“ genießen können ohne dass jeder der vorbei geht uns dabei zusehen kann, wurden ein paar übrig gebliebene Paletten zum Sichtschutzzaun.




Auch am Düdo waren einige Arbeiten nötig. Das Dachfenster hatte sich gelöst, da es für Marokko nur provisorisch eingebaut war. Nun hat es einen schönen Rahmen bekommen und sitzt richtig. Wir bekämpfen den Rost und gönnen uns nach 15.000 Kilometern neue Reifen.
Und nebenbei wird wieder sortiert und neu gepackt. Für die Sommerreise.
Auch wenn der Winter in Marokko deutlich wärmer war als in Deutschland, Sommer auf dem Balkan bedeutet bis zu 40°C im Schatten. Also warme Klamotten raus, luftige Klamotten rein. Und viiiiiel Sonnencreme.
Reiseführer und Wörterbücher für Bulgarien und Griechenland liegen bereit.


Bevor es allerdings richtig los geht, wird Rüdiger 60. Ein wunderbares Alter um zu neuen Abenteuern aufzubrechen.

Begleitet uns nach Bulgarien und Griechenland!

Bis dann

Doris und Rüdiger

Mittwoch, 10. Mai 2017

Deutschlandrunde

Wolken aus Weiß
zögerlich noch das Grün
prachtvoll schon das Bunt
kein Halten mehr.
Es singt,
quillt,
schäumt.
Laut,
prall,
unbändig.
Und ich
versuche
es zu fassen.




Liebe Freunde,

der Winter verabschiedet sich ja in diesem Jahr nur zögerlich. Anscheinend hat er sich in den vorpreschenden Frühling verliebt und kann sich nicht entschließen zu gehen. Die Nächte Ende April sind noch kalt, unsere Heizung noch immer nicht in Ordnung. Niemand findet so richtig den Fehler. Also sind wir mit Heizlüfter unterwegs. Wo wir keinen Strom haben, muss der kleine Gasheizer dafür sorgen, dass es wenigstens morgens beim Frühstück „überschlagen“ ist.

Die erste Etappe unserer Deutschlandrunde ist Paderborn. In einer kleinen Gemeinde direkt daneben lebt meine beste Freundin mit ihrem Mann.
Wir werden, wie immer, herzlich empfangen, wandern durch die frühlingsgrünen Felder, haben uns viel zu erzählen. Am nächsten Tag machen sich die Männer zu einer Wanderung auf, wir Mädels schauen uns in Paderborn eine Ausstellung der Exlibris-Gesellschaft an, schlendern über den Keramikmarkt, reden, reden, reden und genießen es.
Abends findet in der evangelischen Kirche ein Trommelkonzert statt. Afrikanische Rhythmen aus Iserlohn. Die Truppe ist einfach toll und verbreitet ungebremst gute Laune.
Am folgenden Tag geht es ins Sauerland. Wir entdecken eine uns noch unbekannte, schöne Landschaft. Entgegen dem Kalenderspruch „Was ist gut gegen Sonnenbrand? Ferien im Sauerland“, scheint die Sonne durch die bauschigen Wolken und wir wandern zur Ruhrquelle.



Drei Tage liebevollster westfälischer Gastfreundschaft gehen zu Ende.
Wir fahren weiter Richtung Westen.
Kalkar ist ein hübsches Städtchen am nördlichen Rand des Niederrhein. Der 1.Mai wird hier mit einem Pflanzen- und Kunstmarkt begangen. Das Wetter nimmt darauf keine Rücksicht, es nieselt immer wieder. Wir kommen gerade noch rechtzeitig um beim holländischen Händler ein Stück Käse zu erstehen und eine kleine Runde durchs Städtchen zu drehen, dann schließt der Markt und wir flüchten zum Abendessen in die historische Mühle. Die Getränkekarte verblüfft uns mit „BMW – Bier mit Wasser“. Wir halten das für einen Scherz, aber die nette Kellnerin klärt uns auf, das sei durchaus ernst gemeint und würde gern genommen. Zunächst hätten nur die Damen ihr Bier mit Mineralwasser verdünnt inzwischen auch die Herren.
Man lernt eben nie aus.

Da das Wetter sich nicht bessert, machen wir uns am darauffolgenden Tag wieder auf den Weg. Eine Einkaufstour nach Holland steht auf dem Programm. Es gibt dort eine Spezialität, die wir 1991 bei unserem Urlaub in Amsterdam kennengelernt haben und damals sehr lekker fanden. Sandwich Spread. In vielen Geschmacksrichtungen gab es das damals in jedem Amsterdamer Supermarkt. Und wo wir schon mal in der Gegend sind... Also kurven wir durch die platte Landschaft an adretten Gehöften mit bunten Kühen und alten Windmühlen vorbei bis Doetinchem. Dort finden wir einen „Albert Heijn“ Supermarkt und die gesuchten Gläschen im Regal.
Da es uns im Niederrhein Gebiet gut gefallen hat, fahren wir nach Rees, direkt am Fluss. Der Stellplatz bietet alles, was wir brauchen, sogar eine Büchertausch-Vitrine und wir machen es uns gemütlich. Der Himmel hört an diesem Tag nicht auf zu tropfen aber Lesestoff ist ja genug vorhanden und ein paar neue DVD's haben wir aus Paderborn auch mitbekommen.
Doch dann, am Mittwoch, wirft die Sonne doch mal den einen oder anderen Blick durch die Wolken und wir erkunden Rees per Rad.
Nett, gepflegt und mit viel Einfallsreichtum hergerichtet – so erleben wir das kleine Städtchen. Die Rheinpromenade ist bevölkert von witzigen Plastiken, die Stadtmauer 700 Jahre alt, auf dem Mühlenturm entdecken wir ein Horizontobservatorium und gleich dahinter den Skulpturenpark. 

 





Der Schiffsverkehr auf dem Rhein ist lebhaft, die Lastkähne sind riesig und liegen zum Teil beängstigend tief im Wasser.



Auf dem Marktplatz stellen wir fest, dass es sogar für unsereinen – den gemeinen, freilaufenden Touristen – ein „Denkmal“ gibt.



Schon ziehen wieder dunkle Wolken auf, wir flüchten in den Düdo. Dort ist es warm und trocken.
Rees hat uns gut gefallen.
Nun führt uns unser Besuchsprogramm nordwärts. Nach Friesland.
Hier erwarten uns liebe Freunde in Friesoythe. Wir haben uns vor Jahren bei einem Globetrotter Treffen kennengelernt und freuen uns aufs Wiedersehen.

Auch in Friesoythe werden wir von Andrea und Kai aufs herzlichste empfangen. Zur Familie gehören zwei Hunde, mit denen wir eine Runde im nahe gelegenen Wald drehen. Was gibt es doch für schöne Landschaften!
Cloppenburg liegt ebenfalls nicht weit und dort gibt es ein Museumsdorf. Niedersächsisches Landleben wird dort erlebbar. 

 Wir sehen die verschiedensten Bauernhäuser, große und kleine, Bauernstuben, Schrankbetten, Werkstätten, Ställe, Gerätschaften, Gärten und drei verschiedene Mühlenarten.










Im Backhaus gibt es Kaffee und Kuchen und frisches Brot und im Dorfkrug feiern zwei Paare ihre Hochzeit.




Am Sonntag findet sich eine bunte Kaffeegesellschaft zusammen. Viele von den Anwesenden sind auch leidenschaftliche Reisende, es gibt also viel zu erzählen. Es ist sowas wie ein klitzekleines Globetrotter Treffen.
Überhaupt haben wir die drei Tage über viel zu schnacken. Ich lerne wunderbare Mundartausdrücke wie "umzu" für drumherum, "sie ist schlecht zufrieden" für es geht ihr nicht gut und "Miechemkes" für Ameise.




Am Montag müssen wir uns leider verabschieden, wir werden von Jan in Lübeck erwartet.
Jan und Ute haben wir in Marokko kennengelernt und uns schon dort verabredet.
In Lübeck steht Jan in einer grünen Oase mitten in der Stadt, so ähnlich wie wir in Berlin, nur dass er ein paar Schritte durch den Busch auch noch ein Arm der Trave fließt und sich ein Stück weiter ein Yachthafen angesiedelt hat.
Ein Traumplätzchen. Möglich ist das durch den Idealismus eines Freundes, dem das Areal gehört, der sich aber weigert es zu verkaufen, obwohl es viel Geld bringen würde.





Wir feiern mit Jan seinen Geburtstag und machen am nächsten Tag eine Hafenrundfahrt.
Wir erfahren, dass Lübeck den größten Ostseehafen hat und die Altstadt zum UNESCO Weltkulturerbe gehört.
Lübeck ist eine wunderschöne Stadt, wir sind begeistert. 

 
Die alte Hafenbarkasse schippert mit uns einmal rund um die Altstadt und wir hören einiges über Speicherhäuser, Kirchen, alte Segelschiffe und die Geschichte der Stadt. Wir luken in den Stadtgraben, der von den Bürgern der Stadt angelegt wurde – wer nicht mit grub, musste die Stadt verlassen- und über die Wohngänge, kleine Sträßchen hinter den Straßen.
 



 Wir fahren vorbei am „Mann-Haus“, dem Haus in dem Thomas Mann die Buddenbrooks hat wohnen lassen, das mit den grünen Fensterladen.


Während der Fahrt regnet es immerwieder aber das tut der Begeisterung keinen Abbruch. Auf dem Hin- und Rückweg ist es trocken und wir sind ja nicht aus Zucker.
Gern würden wir noch bleiben, aber wir haben einige Termine in Berlin und so fahren wir morgen früh wieder Richtung Heimat.


Es war eine tolle Tour, wir haben viel Neues entdeckt, gute Zeiten mit lieben Menschen verbracht und sind mit Sicherheit nicht das letzte Mal an vielen dieser Orte gewesen.
Eine kleine Sensation haben wir zu vermelden: unsere Heizung funktioniert wieder!!!
Rüdiger hatte vorgestern einen Geistesblitz. Die Kraftstoffleitung war in einer Schleife zuviel verlegt worden. Er legte die Leitung gerade und – wir haben es warm. Kleine Ursache, große Wirkung.

Zwei Wochen bleiben uns in Parey, dann feiern wir, wie bereits geschrieben, Pfingsten Rüdigers 60sten. Am Pfingstmontag starten wir dann auf den Balkan.
Endlich ins Warme! Aber vielleicht besinnt sich ja auch hier bis dahin das Wetter darauf, dass der Winter vorbei sein sollte.

Bis bald also,

Doris und Rüdiger

Donnerstag, 27. April 2017

good old Germany


"Manchmal müssen wir innehalten, 
                   damit unsere Seele uns wieder einholen kann."

                                                              aus Indien


Liebe Freunde

wie versprochen, sollen nun einige Details folgen, wie wir die 6 Wochen verbracht haben, die wir wieder in Deutschland sind.
Diese Wochen waren so vollgepackt mit Terminen, Besuchen, Organisation und Arbeit, dass wir uns regelrecht gestresst fühlen.

Da war zunächst mal der neue Enkel. Eddie ist am 10. März geboren, also fast 8 Wochen alt. Er ist natürlich ganz entzückend. Inzwischen gluckst und lächelt er schon und hält, wie es sich gehört, seine Eltern in Atem. Wir wurden wieder daran erinnert, wie klein sie am Anfang sind und wie gut sie riechen und was für ein warmes Gefühl es macht, sie auf dem Arm zu halten und zuzusehen, wie sie schlafen.



Der nächst ältere Enkel Richard hatte sich das Bein gebrochen. Bei unserem Krankenbesuch stellten wir fest, dass er der Sache durchaus positive Seiten abgewinnen konnte. Er saß in seiner Sofaecke, zeigte seinen mit Blümchen und Autos dekorierten Verband und genoss es sichtlich, dass er nicht in die Kita musste und den ganzen Tag mit seinen Büchern und seinem Malzeug verbringen konnte.

Dann war da natürlich der Garten. Der Frühling ist am Werk auch wenn er noch keine frühlingshaften Temperaturen hinbekommt. Als wir ankamen steckten die ersten Blütenblätter vorsichtig ihre Spitzen aus den Knospen, inzwischen ist alles in voller Blüte, die Tulpen und die Traubenhyazinthen leuchten um die Wette mit den gerade erblühenden Schlüsselblumen und dem Löwenzahn. Der Rasen wollte gemäht werden und da der April seinem Namen dieses Jahr besonders viel Ehre macht, musste Rüdiger Holz schneiden in Größenordnungen, damit wir den Ofen heizen konnten.




Ein Rudel Rehe hatte sich über den Winter unseren Kirschlorbeer schmecken lassen. Rüdiger war erbost und schwor Vergeltung. Zunächst aber baute er eine Umzäunung um das freche Rotwild fernzuhalten von den kahl gefressenen Sträuchern. Er gibt die Hoffnung nicht auf, dass sie sich wieder erholen.



Für eine Woche nahmen wir noch einmal Jettes Hund in Pflege. Am Düdo musste noch die eine oder andere Schraube eingedreht werden, der defekte Kühlschrank musste verschickt und ein Termin für die Autowerkstatt gemacht werden.
Dann war auch schon Ostern.
Wir gönnten uns einen Ausflug nach Halberstadt. Dort waren wir noch nie gewesen.
Gegen Ende des letzten Krieges wurde Halberstadt zu 85% zerstört. Davor hatte es zu den schönsten Städten Deutschlands gezählt. Vieles ist wieder auf-, etliches neu gebaut worden. Auch jetzt noch ist Halberstadt ein schönes Städtchen mit viel Fachwerk, schönen Kirchen und einem sehr sehenswerten Dom. Wir schlossen uns der Führung mit der Superintendentin an, erfuhren viel über die Geschichte und die Handwerkskunst von Halberstadt und den Mut der Halberstädter Veränderungen zu leben und zu fördern. Wir stiegen auf den Turm der Martinikirche und sahen uns im Stadtmuseum noch mehr zur Geschichte der Stadt, die schöne alte Apothekeneinrichtung und frisch geschlüpfte Küken an.
Zur Halberstädter Würstchenwelt haben wir es allerdings nicht geschafft, dort war Ostern geschlossen. Das konnten wir verkraften.









Aber Halberstadt hat nicht nur Historisches zu bieten. Hier gibt es auch ein Kunstprojekt, das weit in die Zukunft weist: in Halberstadt wird das längste Musikstück der Welt aufgeführt. Das John-Cage-Orgelkunstprojekt. Dafür wurde die alte Burchardi-Klosterkirche wieder instand gesetzt. John Cage war Komponist, Philosoph, Maler, Literat. Er komponierte dieses Stück zunächst für Klavier, später für Orgel mit der Tempovorschrift „as slow as possible“, so langsam wie möglich.
Wie langsam ist so langsam wie möglich? In diesem Fall 639 Jahre.
Warum Halberstadt und warum 639 Jahre? Eine spannende Geschichte. Schaut nach unter www.aslsp.org. Dort erfahrt Ihr alles darüber.
Es ist ein einzigartiges Erlebnis.
Der schmucklose Raum ist erfüllt von dem gerade erklingenden Ton, der von einer kleinen Orgel mit nur wenigen Pfeifen ausgeht. Alle paar Jahre findet ein Klangwechsel statt. 



Ringsum an den Wänden läuft eine Leiste entlang, an der etwa DIN A4 große Metalltafeln mit Aufschriften verschiedener Art hängen. Jeder, der möchte, kann ein Klangjahr erwerben und damit ein "Stückchen Ewigkeit" und gleichzeitig mit seinem Beitrag dieses Projekt unterstützen. Für diesen Beitrag kann er eine solche Stiftertafel mit einem Text seiner Wahl beschreiben lassen, die dann dort aufgehängt wird. 639 Jahre lang. Auf einer der ersten Tafeln fanden wir den Namen Bob Dylan.



John Cages Kunstprojekt Organ²/ASLSP steht für Entschleunigung in einer immer schnelllebiger werdenden Zeit und als Symbol des Vertrauens in die Zukunft, denn ohne Vertrauen in einen lange währenden Frieden muss man so ein Projekt nicht anfangen. Uns gefiel dieser Gedanke.

Es folgten wieder Tage im Garten, ein weiterer Berlinbesuch, vollgepackt mit Terminen. Wir waren geradezu außer Atem. Dazu kommt die nicht enden wollende Kälte in diesem Jahr und mit einem Blick auf die Wetterkarte, die für Spanien 24°C anzeigt, fragen wir uns manchmal: was machen wir eigentlich hier?
Die Antwort ist simpel. Es gibt hier Menschen, die uns wichtig sind und die wir lieben. Wenigstens ein, zwei Mal im Jahr möchten wir mit diesen Menschen zusammen sein.
Nun sind wir also aufgebrochen, einige dieser Menschen zu besuchen, die über Deutschland verteilt leben. Unser Weg führt nach Paderborn, Friesoythe, Lübeck.
Mitte Mai werden wir zurück in unserem Garten sein, letzte Vorbereitungen treffen um dann Anfang Juni, nach Rüdigers 60stem Geburtstag, Richtung Balkan zu starten.
Wir sind sehr gespannt auf Bulgarien und Griechenland. Beides ist Neuland für uns.

Nun aber, wie gesagt, erst einmal eine Runde Deutschland. Wir werden Euch davon erzählen.

Bis bald also,

Doris und Rüdiger

Montag, 24. April 2017

Sendepause beendet

Liebe Freunde,

keine Sorge, wir sind noch da, uns geht es gut.
Der Laptop, auf dem ich den Blog schreibe, hatte, wie Ihr ja vielleicht gelesen habt, in Marokko einen Schaden erlitten. Das Display musste erneuert werden. Hat eine Weile gedauert, aber nun ist er fast wie neu.

Ein Bericht über die letzten 5 Wochen folgt demnächst. Im Moment nur soviel - wir haben Kinder und Enkel geknuddelt, den Garten startklar gemacht für den Frühling, alles blüht.
Übermorgen starten wir zu einer kleinen Deutschlandrunde um alte und neue Freunde und Bekannte zu besuchen.

Unterwegs wird es ein wenig Zeit geben und einen neuen Blogeintrag.
Also habt bitte noch ein  paar Tage Geduld...



Bis dahin - herzliche Grüße
Doris und Rüdiger