Kalt ist es in Berlin, als wir uns am Dienstag, dem 5. Januar auf den Weg zum Flughafen machen.
Auch in Frankfurt am Main ist es kalt, wo wir umsteigen müssen, in die Maschine nach Muscat, der Hauptstadt des Oman.
Für ein paar Wochen der Kälte und dem Wintergrau entfliehen, das ist der Plan. Dass er aufgeht merken wir sofort, als wir gegen 6.00 Uhr morgens landen. Noch versteckt sich die Sonne hinter dem Horizont, aber es ist warm – 23°C.
Lange Rollbänder bringen uns zunächst zur Pass- und Sicherheitskontrolle. Uns fällt auf, dass es überall gut duftet, bis wir die Duftspender entdecken, die wohlriechende Wolken ausstoßen. Unglaublich. Alles läuft perfekt organisiert und sehr freundlich ab, wir landen in einer Halle mit vielen Schaltern, an denen es alles gibt, was Reisende, für einen Aufenthalt im Oman so brauchen: Autoverleih, Geldwechsel und Internet.
Den Mietwagen hatten wir schon von Deutschland aus gebucht, aber Internet brauchen wir natürlich und ein bisschen Geld für den Anfang auch. Wir lernen allerdings schnell, dass man hier fast alles mit der Visa-Karte bezahlen kann.
Bei Omantel bekommen wir für 12€ 11 GB, gültig für einen Monat. Das sollte reichen. Der Autoverleiher hatte uns per Whatsapp ein hilfreiches Video mit dem Weg zum Parkhaus geschickt, wo wir den Wagen übernehmen können. Auch das klappt wunderbar unkompliziert und sehr freundlich.
Nachdem unser Gepäck verladen ist, starten wir in die Stadt, um unser Hotel zu suchen. Das erweist sich als nicht ganz so einfach, denn Namen haben nur die großen Straßen, alles andere ist einfach nummeriert, Straßen und Häuser. Nach einigen Ehrenrunden und anhand des Fotos bei booking.com finden wir es dann aber.
Zum einchecken ist es noch viel zu früh, also gehen wir los, ein Frühstück suchen. Für uns ist es gefühlt noch sehr früh am Morgen, da aber die Oman-Zeit der unseren drei Stunden voraus ist, beginnt hier der Vormittag.
Irgendwas ist seltsam. Später merken wir, was es ist – es gibt keine Gehwege, niemand geht zu Fuß, die Flächen vor den Häusern sind eindeutig zum parken gedacht.
In einer belebteren Straße finden wir ein geöffnetes Restaurant, es gibt Kaffee und etwas zu essen. Von unserem Platz auf der Terrasse sammeln wir erste Eindrücke: alles ist sauber, es liegt kein Müll herum. Das Außer-Haus-Geschäft der Restaurants macht einen wesentlichen Teil aus. Entweder wird geliefert, oder man fährt mit dem Auto bis vor den Eingang und wird durchs heruntergelassene Fenster bedient. Bezahlt wird in der Regel mit Karte.
Was vor allem mir auffällt ist, dass man keine Frauen sieht. Ich bin allein unter Männern. Die einzigen Frauen, die ich bisher hier gesehen habe, war die nette Dame von Omantel am Flughafen und eine Frau, die anscheinend im Haus gegenüber dem Hotel wohnt. Wo sind all die Frauen, von denen wir gelesen haben, dass sie studieren und arbeiten wie die Männer im Land?
Irgendwann ist es dann Zeit zum einchecken. Im Hotel werden wir sehr freundlich empfangen und gebeten, das Auto auf den Hof zu fahren, wo es unter einem Schattendach geparkt und das Tor geschlossen wird. Als ich noch einmal hinunter gehe und um ein weiteres Handtuch bitte, macht man mir freundlich klar, dass die Kommunikation mit dem Gastgeber am besten per Whatsapp erfolgt. Eigentlich erstaunlich, denn WhatsApp ist im Oman nur eingeschränkt nutzbar. Man kann Nachrichten und Fotos versenden, aber nicht telefonieren. In allen Hotels wird dann auch zuerst um unsere Telefonnummer gebeten, für die Kommunikation.
Wir gönnen uns den ersten Tag zum ausschlafen und ankommen, schlendern - als Einzige – durch die Straßen, machen erste Einkäufe im Supermarkt und beim Bäcker und versuchen, die drei Stunden Zeitverschiebung zu verarbeiten. Dann fahren wir los, den Oman zu erkunden.
Die ersten Kilometer mit dem Auto in einem fremden Land waren für Rüdiger natürlich gewöhnungsbedürftig, aber schon nach kürzester Zeit, stellt er fest, dass der Verkehr absolut entspannt ist.
Unser erstes Ziel ist Ras-al-Hadd, der östlichste Punkt der Arabischen Halbinsel, in der Nähe von Sur. Sur ist eine sehr alte Hafenstadt. Hier wurden schon in alter Zeit die traditionellen Dhaus gebaut, die hölzernen Schiffe, mit denen Fischfang und Handel betrieben wurde.
Wir haben in einem Hotel direkt an einer stillgelegten Flugzeuglandebahn des britischen Militärs gebucht. Von hier sind es nur ein paar Gehminuten bis zum Strand.
Begrüßt werden wir mit Tee und Datteln und ein bisschen Smalltalk, omanische Gastfreundschaft. Unser Gastgeber ist kein Omani, er kommt aus Bangladesh, wie Viele hier. Etwa 45% der Bewohner des Oman sind keine Omanis, sie sind Fremdarbeiter. Die meisten kommen aus Pakistan oder Bangladesh oder Indien. Wir fragen Eikhtar, wie es ihm hier geht und er erzählt, dass er seit acht Jahren hier ist. Der Verdienst ist nicht fürstlich, aber der Arbeitgeber ist sehr nett. Er hat ihm dieses Hotel anvertraut ohne ihn zu kontrollieren. Eikhtar kann hier schalten und walten, als wäre es sein Eigentum. Er spricht außer seiner Muttersprache Arabisch und Englisch. Deutsch habe er angefangen zu lernen, erzählt er, aber er hat es aufgegeben. Zu schwer. Kann man ihm nicht verdenken. Ähnliche Aussagen zum Fremdarbeiterstatus hören wir später noch von einigen anderen Männern an Tankstellen und in Restaurants.
Wir beziehen einen kleinen Bungalow gegenüber dem Haupthaus, dann wandern wir zum Strand.
Hier in dieser Gegend legen die Meeresschildkröten von Mai bis September ihre Eier in den Sand. Es gibt daher ein Schutzgebiet, das nur über geführte Touren zu betreten ist. Leider ist jetzt keine Saison. Touren kann man trotzdem buchen, wie wir von anderen Deutschen im Hotel erfahren. Aber zu sehen bekommen haben sie nur eine große Schildkröte und ein Junges und ihr Eindruck war, dass dieses extra für die Gäste dorthin gebracht wurde. Darauf verzichten wir gerne.
Abends grillt Eikhtar für uns frischen Fisch.
Am nächsten Tag fahren wir nach Sur.
„Fatah al Khair“ ist eine berühmte historische Dhau, die an der Strandpromenade aufgebockt ist. Früher fuhr sie als Handelschiff zwischen Ostafrika und der Arabischen Halbinsel, Iran und Indien hin und her. Sie transportierte Datteln und getrockneten Fisch aus dem Oman und brachte Reis, Gewürze, Stoffe, Kaffee, Edelhölzer und Juwelen mit. In den 1950er Jahren verdrängten moderne Schiffe die Dhaus, das kunstvolle Handwerk des Dhau-Baus starb aus. Nur wenige beherrschen sie noch, z.B. in der Werft in Sur.
Neben dem stattlichen Schiff gibt es ein Museum, das wir uns natürlich anschauen.
Wir hatten ganz vergessen, dass heute Freitag ist. Die Werft und der Souq haben geschlossen. Also wandern wir ein wenig am Strand entlang und betrachten den malerischen Leuchtturm.
Zum Abendessen gibt es heute Kingsfish und anschließend werden wir in das Beduinenzelt auf dem Hof gebeten, zu Tee und Datteln. Der Besitzer des Hotels empfängt uns zu einem Plauderstündchen. Wir erfahren, dass er abends hier Zeit zur Entspannung verbringt.
Im Oman gibt es zum Frühstück in der Regel nur einen Kaffee und ein paar Datteln. Die Mittagsmahlzeit nimmt der Hausherr im Kreise der Familie ein. Sie ist die wichtigste des Tages. Am Abend isst er auswärts, trifft sich mit seinen Freunden. So ist auch der Hotelbesitzer mit einem Freund da.
Eine Lehrerin aus Hamburg fragt, warum man auf der Straße nur Jungs sieht, die draußen spielen. Die Antwort: die Mädchen spielen im Haus.
Was ich später, als wir dann doch Frauen auf den Straßen sehen, bemerke ist, dass diese Frauen sehr selbstbewusst daherkommen. Naja, man sollte eben ab und zu seine Vorurteile überprüfen. Wir hören und lernen. Jedes Mal wieder.
Von Ras-al-Hadd sind es 476 Km bis Duqm, an der Küste entlang. Dazwischen gibt es kein buchbares Hotel.
Die ersten 100 Kilometer sind flaches, karges Wüstenland, durchsetzt von kleinen, stacheligen Büschen, das irgendwann zu einer Sandwüste wird. Ab und zu durchqueren wir ein Dorf, Kamelherden traben gemächlich über die Ebene oder die Straße, mitunter glitzert das Meer in der Ferne.
In einem Fischerdorf machen wir eine kleine Pause, betrachten die im Wasser dümpelnden Dhaus, die hier immernoch zum Fischen benutzt werden.
Nach etwa 300 Kilometern wird die Strecke abwechslungsreicher. Abbruchkanten und bizarre Felsen tauchen auf.
Auf der ganzen Strecke sind uns verhältnismaßig wenige Autos begegnet, dafür immerwieder große Herden Kamele und ein paar Esel.
Duqm war einmal eine kleine Fischersiedlung, bis der Sultan beschlossen hat, hier einen Ölhafen zu bauen und die Stadt für den Tourismus zu erschließen.
Wohl deshalb finden wir hier ein nobles Hotel zu einem günstigen Preis.
Uns erscheint die Bauweise der Omanis etwas kurios. Es wirkt, als habe jemand ein paar Häuser in die Hand genommen und sie wie Würfel über den Sand verstreut. Auch unser Dreisterne-Hotel erreicht man von der Hauptstraße nur über eine bucklige Sandpiste. Die Parkplätze vor dem Gebäude sind allerdings gepflastert. Ein Restaurant zum Abendessen erreichen wir nur mit dem Auto. Erstaunlicherweise gewöhnt man sich daran recht schnell.
Da für uns die kulinarische Entdeckung eines Landes immer eine Rolle spielt, sind wir etwas enttäuscht, als wir feststellen müssen, dass es typisch omanische Gerichte in Restaurants eigentlich nicht gibt. Die Menschen, die hier in jeglicher Art von Dienstleistung arbeiten, Inder, Pakistani oder Bangladeshis, haben ihre Küche mitgebracht. Man landet also unweigerlich in entsprechenden Restaurants. Geographisch am dichtesten dran ist die jemenitische Küche.
Es ist warm, 24°C, wir fahren ans Meer. Obwohl es nur etwa 2-3 Km Luftlinie entfernt ist von unserem Hotel, müssen wir 10 Km auf der „Tourist Road“ fahren, um tatsächlich an den Strand zu kommen.
Es gibt Beach Camps, frei zugänglich mit Schattendächern und Spielplätzen, die dafür vorgesehen sind.
Wir stellen das Auto ab und wandern am Meer entlang.
In der Ferne sehen wir die Steilküste – spannend! Als wir Auf dem Rückweg versuchen, auf ihr zu wandern, müssen wir feststellen, dass es keinen Zugang gibt. Überall sind Baustellen und Zäune. Hotels und Resorts entstehen dort für das neue Touristenzentrum. Schon in Ras-al-Hadd waren wir so gut wie allein an dem kilometerlangen Strand. Auch hier ist außer uns niemand. Lediglich oben im Beach Camp lagern zwei, drei Familien unter den Schattendächern.
Am Abend finden wir tatsächlich ein Restaurant gleich nebenan mit arabischer Küche. Es gibt Ziege und Kamel.
Im Oman sind die Familienkontakte sehr eng, aber alles spielt sich im Privaten ab, nicht in der Öffentlichkeit. So gibt es in jedem Restaurant eine Anzahl von Separées, über die wir uns zunächst wundern, bis wir verstehen, dass dort die Familien oder Freudeskreise in privater Athmosphäre außer Haus speisen können. Wir sind in der Regel die Einzigen, die an einem der zwei, drei Tische essen, die in dem größeren Gastraum stehen. Meist sitzen dort die Leute, die auf ihr Essen to go warten. In Salalah, in einem China-Restaurant werden wir sofort in eines dieser Separées geleitet. Es gibt eine Klingel an der Tür, um das Personal zu rufen.
Am nächsten Morgen fahren wir früh los. Bis Salalah sind es 664 Kilometer und es gibt auch auf dieser Strecke keine Übernachtungsmöglichkeit für uns. Immerhin ist die Landschaft nun deutlich spannender.
In Salalah haben wir im siebten Stock eines Apartmenthauses eine Ferienwohnung gebucht.
Und wieder heißt es früh aufstehen, denn die Moschee, die sogar fußläufig zu erreichen ist, empfängt nichtmuslimische Besucher nur zwischen 9.00 und 11.00 Uhr.
Die Moscheen hier sind groß und die Gärten umfangreich, aber sie sind nicht so pompös wie anderswo, fast schlicht. Das Prächtigste an ihnen sind die Kronleuchter. Dieser hier ist mit Svarovski-Kristallen bestückt.
Danach fahren wir in eines der großen Einkaufszentren. Wir sind auf der Suche nach den Düften des Oman, die, wie wir gelesen haben, zu den kostbarsten der Welt gehören.
In einem Einkaufszentrum haben wir nun endlich mal richtig Leben und Bewegung erwartet. Fehlanzeige. Es sind kaum Menschen zu sehen, alles ist weitläufig, weiß und geradezu steril. Die Läden, selbst in dem Teil der als „historical Souq“ bezeichnet ist, sind sowas von aufgeräumt und geordnet, die Gänge blitzsauber. So macht einkaufen keinen richtigen Spaß.
Für das Abendessen hat Rüdiger ein nepalesisches Restaurant entdeckt, gleich hinter der Moschee. Und hier geraten wir dann endlich in eine Gegend in der es lebendig ist. Alles ist hell erleuchtet, denn Energie ist hier kein Problem, es sind Leute auf den Straßen unterwegs.
Wir geraten ins Viertel der Gold- und Silberschmiede und der Juweliere. Da alle Geschäfte zwischen 14.00 und 17.00 Uhr geschlossen haben, ist hier erst am Abend richtig was los.
Die Autos fahren auch hier bis direkt vor die Ladentür, die Damen, gut verhüllt, gehen hinein, die Männer warten im Auto.
Salalah hat einen schneeweißen, kilometerlangen Strand mit Karibikflair. Aber auch hier ist kein Mensch außer uns.
Hier finden wir das Denkmal für Zheng He, einen chinesischen Seefahrer und Entdecker, der von 1371 bis 1433 lebte. Er unternahm mit seiner Drachenflotte sieben Entdeckungsreisen und hat wahrscheinlich lange vor den Spaniern und Portugiesen Amerika entdeckt. Seine Schiffe waren fünf Mal so groß wie die von Kolumbus und fuhren mit insgesamt fast 200.000 Mann Besatzung.
Auf der anderen Seite der Strandstraße liegen ausgedehnte Gärten, in denen nach der bewährten arabischen Methode Früchte in drei Etagen wachsen: Datteln und Kokosnüsse an Palmen, darunter Obst, wie Bananen, Mangos und Papayas, ganz unten Gemüse.
Ein kleiner Touristensouq wartet auf Kunden. Wir schlendern an den Ständen entlang, finden aber nichts, was uns reizt.
Die Stadt Salalah hat eine angenehme Atmosphäre, aber nicht allzu viel zu bieten, doch es gibt Schönes in der Umgebung, wie eine Höhle und ein Hochufer, aus dem bei Flut Wasserfontänen empor steigen, das wir aber leider bei Niedrigwasser besuchen
und einen spektakulären Aussichtspunkt auf der Steilküste.
Nach fünf Tagen fahren wir zurück in den Norden des Oman. Hier liegen die meisten touristisch interessanten Orte, darauf sind wir gespannt . Wir buchen zwei Nächte in einem Wüstencamp. Man kann dazu auch alle möglichen Aktivitäten buchen, aber das wollen wir gar nicht. Wir wollen einfach mal wieder in der Wüste sein.
Bis dahin müssen wir aber erstmal kommen. Das wird der zweite Teil unseres Reiseberichtes aus dem Oman.
Bis bald also,
Doris und Rüdiger



























































































































































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