Sonntag, 27. Mai 2018

Aus dem Puzzle wird ein Reisemobil



Es gibt Wichtigeres im Leben, als ständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.
                                                            Mahatma Gandhi

Und genau deshalb, liebe Freunde, lassen wir uns Zeit und setzen uns so gut wie keine Termine, oder nur wenige, die uns wichtig sind.

Da steht es nun unser neues Reisemobil.
Noch ist einiges zu bauen, zu ergänzen, zu gestalten.
Zuerst baut Rüdiger die Garage für das Moped und die Fahrräder aus den Seitenwänden des abgebauten Koffers.
Durch die Erhöhung ist zwischen Kabine und Fahrgestell gibt es viel Platz für zusätzliche Stauräume.


Der Alkoven ist so weit oben, dass ich von der Sitzbank aus nicht hinein komme. Also verlängert Rüdiger die Sitzbank und fügt als Rückenlehne eine Stufe zum Alkoven ein.



Der Absorberkühlschrank wird rausgeschmissen, er verbraucht viel zu viel Gas. Dafür wird unser guter alter Kompressorkühlschrank wieder eingebaut. Er ist zwar kleiner, aber leistungsstärker und hat uns bisher immer ausgereicht. So entsteht auch noch Platz für eine zusätzliche Schublade.
Auch im Bad ist viel Platz für Schränke und Regale.
Es gibt also viel zu tun.

Im Mai haben wir herrliches Wetter, der Garten zieht sein grün-buntes Kleid an, wir genießen die Sonne und die Ruhe.
Über das Himmelfahrtswochenende besucht uns unser Sohn mit Familie. Der jüngste Enkel beaufsichtigt die Baumfällarbeiten von der Schubkarre aus.


nach getaner Arbeit wird gebadet


und natürlich stehen auch Literaturveranstaltungen auf dem Programm.


Ein kurzer Berlin-Trip folgt, die Umschreibung zum Wohnmobil wird bei der Zulassungsstelle getätigt und der Düdo abgemeldet.
Kaum sind wir wieder im Garten meldet sich ein Interessent. Ich setz mich also wieder in den Zug, fahre in die Hauptstadt und veranstalte eine weitere Führung. Wir verabreden uns für ein paar Tage später, ich fahre zurück nach Sachsen-Anhalt. Diesmal macht es den Eindruck, als passten Mensch und Auto zusammen.
Das Basiscamp soll noch einmal konsultiert werden, bevor die endgültige Entscheidung fällt. Fast einen Tag lang werden technische Daten ausgetauscht, wird vermessen und geprüft. Dann, fünf Minuten bevor alles in Sack und Tüten ist, macht er einen Rückzieher.
So bleibt der Düdo am Verein stehen und wir machen uns mit unserm Neuen – wir haben noch keine richtige Idee wie wir ihn nennen wollen – auf den Weg. Zuerst in die Prignitz zu unserer Jüngsten, dann nach Lübeck, wo Freund Jan zur alljährlichen Geburtstagsparty geladen hat.
Tagsüber schlendern wir durch die alte Hansestadt, 






schon am Nachmittag und vor allem abends sitzt eine fröhliche, entspannte Runde am Feuer und lässt es sich gut gehen. 



 

Wir genießen die Zeit in Lübeck bei schönem Wetter, bevor es wieder zurück nach Berlin geht.
Das Puzzlemobil soll fertig gestellt werden, bevor wir zu einer Deutschlandrunde aufbrechen.
Bis dahin hoffen wir auf schönes Wetter. 
Im Garten hängen Bäume und Sträucher voller Früchte, die Sonne zum reifen brauchen. Es wird einiges zu ernten geben. Es gilt leere Marmeladengläser zu füllen.

Bis bald also
Doris und Rüdiger

Mittwoch, 2. Mai 2018

Verrückt. Ohne Frage



Die einzige Möglichkeit, etwas vom Leben zu haben, ist, sich mit aller Macht hineinzustürzen.
                                                                           Angelina Jolie


Ja, liebe Freunde, genau das tun wir – immerzu.
Zugegeben in unserem Alter ist das mitunter anstrengend und bringt uns an unsere Grenzen, aber es hält auch jung.
Ein alter Bekannter sagte dazu: „Ihr seid verrückt! Ohne Frage.“
Genau!

Der IVECO steht also in unserem Garten und der Düdo zum Verkauf in Berlin. Mit Wehmut aber auch Vorfreude auf das Neue fahren wir mit ihm ein letztes Mal die Strecke von Sachsen-Anhalt in die Hauptstadt. Schöne Reisen haben wir mit ihm gemacht, uns wohlgefühlt in ihm. Aber Loslassen konnten wir schon immer ganz gut und so richten wir auch diesmal unseren Blick nach vorn.

Bevor wir aber diese für uns letzte Fahrt mit dem Düdo antreten, ist ein hartes Stück Arbeit zu bewältigen.
Der Koffer muss vom IVECO runter.
Mit Hilfe unseres Nachbarn und seines Bruders ist das erstaunlicherweise an zwei Tagen erledigt.










Da steht er nun. Nackig sozusagen.


Ich räume in der Zeit den Düdo vollkommen aus, putze ihn noch einmal durch.
Komisches Gefühl.



Dann, in Berlin, wird der IVECO angemeldet zusammen mit dem Moped.
Nun sind wir beweglich.



Rüdiger fährt dann auch gleich mit dem Roller zurück nach Sachsen-Anhalt. „Ein ganz anderes Feeling!“ sagt er, „gewöhnungsbedürftig, aber es macht Spaß.“






 Er erledigt die Restarbeiten am IVECO. Die Kofferlagerung muss schmaler gemacht werden, die Seitenleuchten angebracht, die Schutzbleche versetzt...

Dann macht sich Rüdiger auf nach Spanien, die Kabine holen. Er fährt allein, schläft im Fahrerhaus nach seinem eigenen Rhythmus. Eine Zwischenstation legt er bei der Firma Stauber ein, wo das Fahrgestell für die Kabinenmontage vorbereitet wird.
Uns war noch nicht klar, ob der Überhang nach hinten länger sein, oder das Fahrgestell höher gesetzt werden soll, denn unter den Alkoven der Kabine soll die Mopedgarage ihren Platz finden. Herr Stauber erhöht das Fahrgestell, die Überlänge käme nicht durch den TÜV.
Und schon ist Rüdiger wieder auf der Straße Richtung Spanien.

Da der Düdo inseriert ist, kümmere ich mich in der Zeit um die Anfragen und im besten Fall um die Abwicklung des Verkaufs.
Erste Besichtigungen finden statt.
Es ist schon spannend was da für Leute auftreten. Von „Hurra – ach nee, doch nicht“ über „Na, mal sehen“ bis hin zu „Also, wenn ich Ihnen raten darf...“ ist alles dabei.
Dazwischen Eltern-, Kinder-, Enkelbesuche, Treffen mit Freundinnen, Internetrecherchen, Telefonate mit Versicherungen, Versandfirmen und dergleichen mehr.

Nach 8 Tagen ist Rüdiger zurück mit unserem neuen Reisemobil. In dieser Zeit ist er 4800 Kilometer gefahren, hat zwei Zwischenstopps bei der Firma Stauber eingelegt und zwei Tage bei der spanischen Firma gewartet, dass die Restarbeiten beendet werden.
Verrückt, oder?
Nun steht er am Verein – unser Neuer.

 
Und, wie kann es anders sein, es gibt noch jede Menge Arbeit bis er wirklich fertig ist.
Die Garage unter dem Alkoven muss geschlossen werden, die Gasflaschen sollen unter der Kabine angebracht werden, ebenso ein Abwassertank und eine Leiter. Innen soll es eine Trittstufe in den Alkoven in Form einer Sitzbank mit breiter Rückenlehne geben und im Bad ist noch viel Platz für Schränke.
Die Solaranlage und die Batterien müssen installiert und angeschlossen werden.
Da gibt es natürlich die Kategorien „ganz wichtig“, „wichtig“ und „weniger wichtig“, aber alles in allem ist es einiges an Arbeit. Dafür wollen wir uns den Sommer über Zeit lassen, Pausen sind eingeplant.

Wir werden Euch natürlich über den Fortgang der Arbeiten auf dem Laufenden halten.

Bis dann also
Doris und Rüdiger

Montag, 16. April 2018

Baukasten Reisemobil



Man sollte Wünsche und Träume in Stein meißeln
aber Pläne in den Sand schreiben...

Liebe Freunde,
eine mehr als turbulente Zeit liegt hinter – und vor uns.
Zunächst überqueren wir das Meer,


verlassen Marokko fast fluchtartig, landen in Algeziras


und genießen nach über vier Monaten inbrünstig Schinken, Käse, Wein und viele andere Dinge auf die wir gern verzichtet hatten.


Die europäische Welt mit all ihren Annehmlichkeiten und ihrem Komfort ist fast ein Schock. Wir haben aber nicht viel Zeit uns dem hinzugeben, wir haben andere Sorgen. Überall blühte es, dass Mittelmeer strahlte in schönstem Blau, wir haben keinen Blick dafür. 



 
Die Bremsen werden immer schlechter. Rüdiger wehrt sich dagegen noch einmal jemanden dran rumschrauben zu lassen, das richtige Ersatzteil gäbe es ja hier auch nicht. Er erarbeitet sich eine Taktik mit Motorbremse, Handbremse und Gangschaltung zu bremsen und wir fahren, wo immer es möglich ist, Autobahn, damit so wenig wie möglich gebremst werden muss. Wir tun uns auf der spanischen Küstenautobahn A7/AP7 mörderische Tagesetappen an. Die erste führt uns bis Palamos, unser Ziel ist Alicante.
Warum Alicante?
Wie gesagt haben wir die Absicht uns von unserem Düdo zu trennen und eine Alternative zu suchen. Wie wir nun mal gestrickt sind, beginnt die Suche in unseren Köpfen schon in Marokko, nachdem der Beschluss gefasst ist.
Alle möglichen Varianten werden diskutiert.
Kastenwagen – in der Regel zu wenig Bodenfreiheit. LKW – hatten wir schon... viel zu groß. Was Neues, was Gebrauchtes? Sogar „Joghurtbecher“ war kurz im Gespräch – wurde aber schnell verworfen. Ein Pritschenwagen, auf den ein Wohnwagen gesetzt wird, ist eine ernsthafte Idee. Nicht unbedingt schön, aber selten. Auf der Suche nach einem passenden Wohnwagen stößt Rüdiger auf eine Anzeige, in der zwei nagelneue Wohnkabinen angeboten werden. Überproduktion aus einem Großauftrag, Produktionsstätte in Aspe bei Alicante.
Das ist es. Wir rufen die Firma an, verabreden, dass wir einfach hinfahren und uns die Kabinen ansehen können.
Das Industriegebiet, in dem sich die Produktionsstätte befindet, liegt dicht an einer der großen Fernverkehrsstraßen, also machbar. Freundlich werden wir empfangen, man hatte uns schon erwartet. Die beiden Alkovenkabinen stehen in einer Ecke der großen Werkshalle. Na klar, Joghurtbecher feeling, aber auf dem richtigen Fahrzeug wird das einmalig sein und wir sind zugegebenermaßen überwältigt von dem Raumgefühl. Rüdiger hat Stehhöhe, das Bad ist riesig, weil es sich über die gesamte Rückwand erstreckt.
Ein paar Verschönerungen, ein paar Basteleien hier und da, passt!
Wir nehmen Verbindung auf zu Stauber Motorhomes, Herr Stauber ist unkompliziert und kompetent. Nun fehlt uns noch das Fahrzeug. Klar ist zu dem Zeitpunkt schon, in Frage kommen Mercedes Sprinter oder Vario, IVECO, allenfalls Mitsubishi Canter. Und da wir nicht nur in Europa reisen wollen, darf er keine Euro4 Norm oder höher haben. Euro3 wäre ideal. Nicht leicht zu finden.
Rüdiger grast mobile.de und ebay Kleinanzeigen ab. Da ist wenig im Angebot, anscheinend sind diese Fahrzeuge sehr begehrt.
Ein erster Versuch in Cloppenburg schlägt fehl. Das Auto dort (ein Mercedes Vario) ist reserviert, wie liebe Freunde die uns, die in der Nähe wohnen, recherchieren. Sie bleiben am Ball, würden für uns sogar das Fahrzeug besichtigen und im Ernstfall kaufen, aber einen Tag später kommt die Nachricht: tut uns leid, das Auto ist verkauft.
Drei Autos sind irgendwann noch in der engeren Auswahl. Ein Sprinter in München, ein IVECO in Darmstadt, ein Mitsubishi in Berlin. Der Sprinter hätte die idealen Maße, der Verkäufer, ein muffliger KFZ Meister, ist allerdings nicht bereit es zu reservieren und ist auch sonst nicht sehr gesprächig. Der IVECO hat noch einen Koffer drauf, ist aber glaubhaft in sehr gutem Zustand. Der Verkäufer des Mitsubishi klingt eher dubios.
Unser Höllentrip geht weiter. Rüdiger kämpft mit den Bremsen, ich versuche ihn moralisch zu unterstützen und kümmere mich um die organisatorischen Dinge. Wir düsen durch Frankreich, übernachten auf einem Rasthof, ganz ruhig und ungestört, unser Ziel ist München, das eigentlich nicht auf unserem Weg liegt. Noch einmal rufe ich dort an, es führt kein Weg zu einer Reservierung. Wir sind nicht schnell genug und es geht auf Ostern zu. Das heißt der Karfreitag fällt schon mal weg, uns bleiben wenige Tage. Die Beurteilungen die ich im Internet über den KFZ Meister finde, sind eher entmutigend. Was tun? Kurzentschlossen rufe ich in Darmstadt an. Auf Grund des Anzeigentextes für den IVECO hatten wir uns eine Frau vorgestellt, die einen Blumenladen hat und ein Auto, das von einem Rentner gefahren und gepflegt und gewartet wird. Der Rentner ist zu alt zum fahren, das Auto wird verkauft. Am Telefon habe ich eine hektische junge Frau, deren Mann ein Fuhrunternehmen gegründet und den IVECO von einer Gärtnerei gekauft hat. Wir erfahren, dass es noch einen weiteren Interessenten gibt, die Familie aber am Ostersonntag in den Urlaub fliegen will. Eine schwierige Situation. Die junge Frau schlägt eine Anzahlung vor. 500 € klingen für uns nicht nach betrügerischer Absicht, wir lassen uns darauf ein. Ein Besichtigungstermin für den Donnerstag vor Ostern wird vereinbart.
Eigentlich wollten wir mit dem Düdo so schnell wie möglich nach Birkenwerder ins Basiscamp. Mit den Jungs dort haben wir schon Kontakt aufgenommen, wir werden erwartet. Wir sagen alle Besuche bei unseren Freunden ab, die auf dem Heimweg geplant waren, so weh es auch tut. Aber Darmstadt ist gut per Autobahn zu erreichen, also werden wir diesen kleinen Umweg noch machen.
Ein weiterer langer Fahrtag bringt uns über Ettenheim bis Darmstadt. Pünktlich sind wir am verabredeten Ort, der Verkäufer des IVECO trifft wenig später ein. Das Auto ist auf einem Gehöft untergestellt in einer Halle, scheint der Beschreibung zu entsprechen. In der Anzeige war als Grund für den Verkauf „Verlust des Führerscheins“ angegeben. Nun erzählt er eine wilde Geschichte von Überladung und einer Polizeikontrolle. Irgendwie seltsam deswegen ein Auto gleich zu verkaufen, aber es scheint in Ordnung zu sein, also werden wir uns einig. Er übergibt uns einen Ordner mit und einen Schlüssel. Auch er hat nur einen Schlüssel bekommen. Sowas kommt öfter vor. 
 
Wir verabreden mit dem Vermieter der Halle, dass Rüdiger das Auto ein paar Tage später abholt. Wieder geht es auf die Autobahn. Wieder übernachten wir auf einem Rasthof ruhig und ungestört. Am Karfreitag gegen Abend sind wir in Berlin, stellen den Düdo am Verein ab und sind froh, heil angekommen zu sein. Das Osterwochenende verbringen wir nun doch mit Kindern und Enkeln. Rüdiger holt ein Überführungskennzeichen
Für die Zulassungsstelle braucht man ja bekanntlich eine EVB-Nummer von seiner Versicherung. Da unsere nicht reagiert hatte, hatte Rüdiger im Internet über ein Versicherungsvergleichsportal die preiswerte Sparkassen-Versicherung gefunden. Zunächst mal muss der IVECO ja als LKW gemeldet werden. Als er nun von der Zulassungsstelle zurück kommt, ruft unsere Versicherung an. Wir bekommen ein Angebot, das weit über dem liegt was die Sparkassen-Versicherung verlangt. Die nette Mitarbeiterin macht Rüdiger darauf aufmerksam, dass man bei LKWs seine Schadenfreiheitsklasse nicht mitnehmen kann. Er fragt bei der Sparkassen-Versicherung nach. Die dortige Mitarbeiterin wundert sich: „Wie sind sie denn da durchgeschlüpft? Wir dürfen eigentlich keine LKW versichern. Die Zulassungsstelle hätte das an der EVB Nummer sehen müssen“. Wir sind baff. Kann man sich noch auf irgendwen verlassen?
Egal, wir haben ein Kennzeichen und mit dem wird das Auto geholt. Am Freitag will Rüdiger nach Darmstadt fahren.
Am Donnerstag sind wir bei unserem Sohn, gehen nicht zu spät nach Hause, der Zug fährt morgen um 4.35 Uhr. Im Treppenhaus bleibt Rüdiger plötzlich stehen und wird ganz blass, ich denke jetzt ist es soweit, jetzt ist alles zu viel, frage nach. Ihm ist gerade eingefallen, dass der Schlüssel vom IVECO im Düdo liegt, der steht seit gestern in Birkenwerder, es ist 18.00 Uhr. Wir stornieren die Fahrkarte, buchen für Samstag.
Am nächsten Tag fährt er also ins Basiscamp, die haben den Düdo fertig. Super. Und was war es nun? Der Hauptbremszylinder leckte. Ach nee! Und der linke Radbremszylinder war völlig hinüber. Nun sind neue Teile eingebaut worden, alles funktioniert wieder wie es soll. Rüdiger fährt also nach Darmstadt, bringt den IVECO nach Sachsen-Anhalt in unseren Garten. Dort soll der Möbelkoffer abgebaut werden.
Er kommt zurück nach Berlin, wir mieten einen Motorradhänger und düsen mit dem Düdo nach Neumünster. Warum das? Schon seit dem letzten Jahr denkt Rüdiger darüber nach ein Moped zu kaufen. Man könnte damit Ausflüge vom jeweiligen Standort machen, einkaufen auch wenn man weiter von einem Ort entfernt steht, kurz, man ist mobiler.
Von Marokko aus findet er den idealen Roller zum besten Preis. Er ist gebraucht, aber in einem super Zustand. Das Autohaus Aschkar ist freundlich und unkompliziert, Kaufvertrag und Anzahlung werden online getätigt, als wir in Deutschland sind und uns melden, bekommen wir sofort die Papiere geschickt, damit wir ihn anmelden können.
Nun fahren wir also in den Norden und holen unseren Honda SH 125.

Damit fahren wir dann endlich in unseren Garten.
Da stehen sie dann hintereinander in der Zufahrt – der alte Düdo und der wesentlich jüngere IVECO. 


 
Während Rüdiger sich daran macht, den Koffer des IVECO abzubauen,
 






räume ich den Düdo aus. Und es überkommt mich doch so etwas wie Abschiedsschmerz. Schöne Reisen haben wir mit ihm gemacht, viel Zeit und Arbeit haben wir in die Innenrestauration gesteckt, er war für fast drei Jahre unser Zuhause.
Nun wird er nach Berlin gefahren und verkauft.
Darum werde ich mich kümmern, während Rüdiger nach Spanien fährt um die Kabine zu holen.
Ob alles so reibungslos klappt, wie wir es uns vorstellen?

Wir werden es Euch berichten.

Bis dann also,
Doris und Rüdiger

Mittwoch, 21. März 2018

Das Land der Wunder



Ziehende Landschaft


Man muss weggehen können
und doch sein wie ein Baum:
als bliebe die Wurzel im Boden,
als zöge die Landschaft und wir ständen fest.
Man muss den Atem anhalten,
bis der Wind nachlässt
und die fremde Luft um uns
zu kreisen beginnt,
bis das Spiel von Licht und Schatten,
von Grün und Blau,
die alten Muster zeigt
und wir zu Hause sind,
wo es auch sei ...

Hilde Domin



Liebe Freunde,
wir gehen mal davon aus, dass Ihr uns alle Daumen gehalten habt. Das hat zumindest insofern genutzt, als dass tatsächlich am nächsten Mittag eine neue alte Stange für die Kardanwelle neben der abgebrochenen liegt.

Der Chef misst für uns nochmal nach – passt!

Obwohl es regnet, legen sich die beiden jungen Mechaniker unter den Düdo und bauen die Stange ein. Der Lehrling flitzt nach Werkzeug.

Dann setzt sich der Chef auf den Fahrersitz und macht mit uns eine Probefahrt. Es läuft gut, aber …. die Bremsen. Ich traue meinen Ohren kaum. Er sagt, die Bremsen sind nicht wirklich gut,

fährt uns auf den Hof der Werkstatt und wieder wird geschraubt.

Der Hauptbremszylinder wird ausgebaut und der Werkstattleiter zaubert einen weiteren neuen alten aus dem Hut. Das Problem besteht anscheinend an den Verbindungen der Bremsleitung zu besagtem Teil. Der Chef fährt mit der Leitung davon, kommt nach etwa 2 Stunden wieder. Die Mechaniker haben genug Arbeit, wir warten.
Alles wird wieder eingebaut, professionell an den Radbremszylindern entlüftet, Bremsflüssigkeit eingefüllt – wir haben ja noch genügend davon – und auf geht’s zu einer weiteren Probefahrt. Ganz zufrieden ist er nicht, aber bis nach Hause sollten wir kommen, sagt er.
Inzwischen ist es wieder Abend geworden, wir haben den Tag mit warten verbracht und haben nun Hunger. Unser Stadtplan sagt uns, wir sind nicht allzu weit von der Medina entfernt, also machen wir uns auf den Weg. Eine Straße mit Läden und Werkstätten führt bis zu einem der alten Stadttore.


Es geht ruhig zu, hierher kommen normalerweise keine Touristen. Ein paar Schritte hinter dem Tor sind wir auf einer quirligen Geschäftsstraße, finden eine Garküche, bekommen Suppe (Harira), Bruchettes und salade mixte.

Auf dem Rückweg merken wir, dass trotz „nur“ warten und gefahren werden, die letzten Tage anstrengend waren.
Bis Fès ist es nicht weit und so lassen wir uns am nächsten Morgen Zeit.
Wir fahren Autobahn und werden gut bewacht. Auf jeder Brücke stehen zwei uniformierte Wachen.
Als wir uns der Stadt nähern, sind auch an den Auf- und Abfahrten und an jeder Kreuzung Polizeikräfte postiert. Aus diesem Aufgebot folgern wir, dass der König erwartet wird.
Wir werden jedenfalls erwartet – von Ute und Jan auf dem Campingplatz „Diamant vert“. Sie haben die Stadttour für den nächsten Tag organisiert und für uns gekocht.
Ihr seid großartig, ihr Beiden!


„Al Maghreb nennen wir unser Land, was soviel bedeutet wie 'Land der Wunder' oder auch 'Westen'. Marokko ist der Name den die Europäer benutzen.“ erklärt uns Nordin, unser Guide. Er führt uns durch Fès und erzählt viel über die Königsdynastien und die Geschichte der Stadt. Man merkt dass er stolz ist ein Fassi zu sein, einer, der in Fès geboren ist.
Er hat uns mit einem Taxi vom Campingplatz abgeholt, es geht zuerst zum Königspalast (nur von außen zu besichtigen),

dann hinauf zur ehemaligen Burg, von wo wir einen grandiosen Blick auf die älteste Stadt Marokkos haben.

Es stürmt und ab und zu geht ein Schauer nieder, wir lassen uns nicht abschrecken.

Fès ist berühmt für seine Handwerkskunst.
Das Taxi bringt uns in eine Töpferei, wir bekommen gezeigt und erklärt, wie die berühmten Kacheln und Mosaiken hergestellt werden

und natürlich gibt es einen großen Verkaufsraum. Schöne Sachen gibt es hier und einen Rabatt für Kunden mit Reiseführer – wir brauchen trotzdem nichts.

Weiter geht es zur Medina. Das Tor  wie aus sieht aus wie aus 1001 Nacht,

tritt man durch nehmen einen die engen Gassen des Souk gefangen.


Nordin stürmt voran, muss aber immer wieder stehen bleiben, weil er Freunde und Bekannte trifft. Wir halten an „dem einzigen Minarett der Welt, dass nicht zu einer Moschee gehört“, sondern zu einer Madrassa, einer Koranschule. Wir dürfen gegen ein geringes Entgelt in den Innenhof, die schönen Mosaike und Schnitzereien bewundern.




Nächste Station ist eine Weberei. Ein junger Mann erklärt in bestem Deutsch Webstuhl,

Material und Verarbeitung. Wir dürfen probieren wie fest und haltbar die Agavenfasern sind, aus denen die glänzenden Teile der Stoffe bestehen. Wunderschöne Dinge werden aus diesen herrlichen Stoffen gemacht. Aber wie viele davon kann man gebrauchen?

Die Gassen werden immer schmaler, immer mehr Menschen tummeln sich, es ist Sonntag, die Leute haben Zeit zum bummeln.
Nordin erklärt und weist auf besonders schöne architektonische Details hin.




Das Mausoleum eines Heiligen befindet sich mitten im Gassengewirr ebenso wie die Pilgerstätte senegalesischer Gläubiger.

Durch die Fleischergasse geht es zur Gewürzgasse von der die Kräutergasse abzweigt, dann kommen wir an den Kleiderläden vorbei in denen aufwendige Festtagsroben ausgestellt sind.

Nach 4 Stunden sind wir alle etwas fußlahm, aber nun kommt der Höhepunkt der Führung – das Gerberviertel.
Ein schmaler Hauseingang, eine ebenso schmale Treppe, drei Stockwerke hinauf, dann stehen wir auf einer überdachen Terrasse von der aus man hinunter schauen kann auf die aus Lehm gemauerten Bottiche der Gerber und Färber.
Wieder hat Nordin uns an einen Deutsch sprechenden Führer weitergereicht, der uns erklärt, dass hier keine Chemie verwendet wird. Die Felle werden mit Taubenmist und Kalk gegerbt, gefärbt wird mit Henna, Eichenrinde und Indigo für das berühmte Fès-Blau.



Er führt uns vor, woran man natürlich bearbeitetes Leder erkennt, wirbt mit Maßanfertigung von Lederkleidung in kürzester Zeit und wieder gehen wir durch Räume voller wunderschöner Dinge, die wir nicht brauchen.


Fünf Stunden sind vergangen, wir sind geschafft. Das Taxi bringt uns zurück zum Campingplatz.
Nach einer angemessenen Ruhepause nehmen wir im Restaurant unser Abschiedsessen ein. Es gibt noch einmal Bastilla und Couscous, beides köstlich.


Am nächsten Morgen fahren Jan und Ute an die Atlantikküste, wir düsen Richtung Mittelmeer nach Martil.
Die Strecke verwöhnt uns noch einmal mit einer grandiosen Landschaft, die geradezu idyllisch zu nennen ist. Satte grüne Wiesen und Felder, Schafherden, Alleen.



Lehmfarbenes Wasser wälzt sich durch die Flüsse, auf den Feldern stehen große Pfützen, die Stauseen treten fast über die Ufer. Zum Schmelzwasser aus den Bergen kam wohl noch reichlich Regen.

Unterwegs tritt unser altes Problem wieder in Erscheinung – die Bremsen. So langsam nervt es nicht nur, es macht uns Angst. Die Strecke ist zum Teil sehr bergig, Rüdiger ist froh, dass wir die Motorbremse haben, aber im Stadtverkehr von Tetouan, wo wir auch noch einige Umleitungen durch enge Straßen fahren müssen, schwitzt er Blut und Wasser. Mal bremst sie, die Bremse, mal nicht.
Wir sind erleichtert, als wir auf dem Campingplatz ankommen.
Wieder stürmt und regnet es, aber am nächsten Morgen kündigt die Sonne den Frühling an.

Unsere Zeit in Marokko geht zu Ende. Wir gönnen uns einen Tag in Martil zum entstauben und ausruhen, dann verlassen wir das Land der Wunder.
Fünf Monate waren wir hier, haben viel gesehen und erlebt viele liebenswerte Menschen kennengelernt und wiedergetroffen.
Einen Teil dieser Reise haben wir in Werkstätten verbracht.
Nach all der Aufregung und den technischen Problemen haben wir nun einen folgenschweren Beschluss gefasst:
wir trennen uns – von unserem Düdo.
Es fällt uns nicht ganz leicht, wir lieben ihn durchaus, zumal wir inzwischen jede Schraube persönlich kennen, aber nach intensiven Diskussionen sind wir zu einem grundsätzlichen Schluss gekommen: der Grund für unseren Ausstieg war nicht, dass wir mit alten Autos unterwegs sein wollen, das hatte sich eher zufällig so ergeben, der eigentliche Grund war, wir wollen reisen. Daran hat sich nichts geändert. Wir wollen unsere Zeit und unsere Energie nicht damit verbringen, Werkstätten und Ersatzteile zu suchen, für Autos die cool sind, aber alt. Für die meisten von ihnen ist es schwer, wenn nicht unmöglich, welche zu bekommen.
Die nächsten Reisen die wir geplant haben, werden an sich schon aufregend genug, da brauchen wir das nicht auch noch. Ja klar, man kann es als Teil des Abenteuers betrachten. Wir haben keine Lust mehr darauf.
Wir werden also mit unserem goldenen Schmuckstück nach Hause fahren und uns nach einem neuen Reisefahrzeug umsehen.
Wer Lust auf unseren Düdo hat kann sich gern bei uns melden.

Wir werden Euch weiter auf unsere Reisen mitnehmen, egal mit welchem fahrbaren Untersatz wir unterwegs sind.

Bis bald also, liebe Freunde, bleibt uns gewogen
Doris und Rüdiger