Samstag, 30. Juni 2018

Wo sind die Stare?



Die Kirschen werden reif und rot,
die süßen wie die sauern.
Auf zartes Lauf fällt Staub, fällt Staub,
so sehr wir es bedauern.

Die Vögel füttern ihre Brut
und singen nur noch selten.
So ist's bestellt n unsrer Welt,
der besten aller Welten.

Erich Kästner



So sah sie Erich Kästner vor einigen Jahrzehnten, unsere Welt, obwohl auch er ja schon einiges zu kritisieren hatte.
Wir haben immer mehr das Gefühl, sie rast auf die Katastrophe zu, diese unsere Welt. Die Gier wird immer größer, genau wie die Skrupellosigkeit.
Allem Wahnsinn zum Trotz füttern die Vögel aber nach wie vor ihre Brut und bevölkern unseren Garten. Und nicht nur den. Ein Rotschwanzpaar hat das oberste Fach des Schraubenregals in unserem Bauzelt als Brutplatz ausgesucht. 


Wir gehen so selten wie möglich und dann nur ganz vorsichtig hinein. Wir wollen sie nicht stören. Für sie scheint die Welt in Ordnung zu sein. Das soll so bleiben.

Unser Enkel Niila leistet uns eine Woche Gesellschaft. Viele Ideen hat er, die umgesetzt werden sollen.
Da ist das Baumhaus, das im alten Pflaumenbaum entsteht.




Eine Vogelscheuche soll die frechen Stare von den Kirschen fernhalten.



Fußballspielen mit Opa steht auf dem Programm 


und alles, was sich mit Hammer und Nägeln machen lässt.
Aber er hilft auch begeistert beim Hecke schneiden, Kirschen pflücken


 und Marmelade kochen.


 
Wir beobachten die ganze Woche einen Rotmilan der über uns seine Kreise zieht und gellende Rufe ausstößt.


Manchmal fliegt er so tief, dass wir die Farbe seines Gefieders sehen können. Ein zweiter taucht auf, es gibt einen kurzes Gerangel in der Luft, dann sucht einer das Weite. Der Sieger gleitet durch sein Revier in weiten Bögen.
Das Wetter meint es gut mit uns, die ganze Woche haben wir an die 30°C und blauen Himmel.
Als Niila weg ist, wird es kühl. Leider regnet es nicht. Es wäre dringend nötig.

Die beste Nachricht des Monats allerdings ist – der Düdo ist verkauft. An eine junge Familie. Wir sind sehr erleichtert. Etwas um das wir uns nicht mehr kümmern müssen.
Mit dem IVECO hat Rüdiger ja noch jede Menge Arbeit.
Zuerst wird der Gaskasten fertig,



dann sind die Bordbatterien dran.


Elektrik liebt er gar nicht, aber ohne Strom geht’s ja auch nicht, also fummelt er sich durch.
 
Der Witz ist, dass alle losen Kabel in der Kabine spanisch beschriftet sind.

Wir versuchen zu übersetzen, was nur teilweise gelingt, raten ein bisschen und der Rest ist probieren. Und es klappt. Licht und Pumpe funktionieren.

Für den Kühlschrank brauchen wir aber Solarstrom. Als nächstes müssen also die Paneele aufs Dach gebracht und angeschlossen werden.

Im Garten entwickelt sich derweil alles auf Üppigste.
Vor allem die Kirschen – die süßen und die sauern – hängen in dichten Trauben im Baum.



Wir wissen kaum wohin damit, verteilen so gut es geht an Kinder und Freunde und nehmen welche mit zu Rüdigers Mutter ins Pflegeheim, wo die Altchen sich darüber freuen.
Überall in der Nachbarschaft hängen die Bäume so voll und seltsamerweise bleiben die Stare aus. Wo sind sie hin? Was hält sie fern? Vor zwei Jahren konnte man den Schwärmen zusehen wie sie von Baum zu Baum flogen, in diesem Jahr ist nicht ein einziger zu sehen. Auch im Dorf wundern sich die Leute. Sie reden darüber im Supermarkt, stellen Vermutungen an, niemand hat eine Erklärung.

Die Apfelbäume hängen voll,
 

es wird jede Menge Nüsse geben



und unser Weinstock hat sich prächtig entwickelt. Ob wir es mal mit Wein versuchen?



Während ich Batterien von Gläsern mit Marmelade fülle
nimmt die Garagentür am IVECO Gestalt an.



Dann schlägt das Wetter um, es wird stürmisch und kühl, nur noch 17°C, schwarze Wolken jagen über den Himmel. Es regnet sogar kurz aber heftig, leider zu kurz. Es genügt bei weitem nicht, um den ausgetrockneten Boden zu tränken. Schon Ende Mai war die Wiese verbrannt und gelb im Gegensatz zu all der Üppigkeit an den Bäumen.
Nach zwei Tagen strahlt auch schon wieder die Sonne, wir gießen also jeden Abend alles was wachsen und blühen soll.




Das Vogelgezwitscher wird mehr und mehr unterlegt vom Gesumme der Hummeln, Bienen, Hornissen und Wespen.


Und es ist die Zeit der Schmetterlinge.


Dann sind die Johannisbeeren reif.


Bald sind die Gläser alle. Was nicht hinein passt wird so gegessen oder bleibt für die Vögel, die zur zweiten Brut ansetzen. Jedenfalls unser Rotschwanzpaar.
Es ist ein intensives Gefühl von Sommer, dabei haben wir erst Ende Juni.
Mitte Juli werden wir uns zwei Wochen „Urlaub“ gönnen, Freunde besuchen, bisschen rumfahren. Bis dahin ist am Auto aber noch einiges zu tun. Hoffen wir, dass dann das Sommerwetter noch nicht verbraucht ist.

Wir halten Euch auf dem Laufenden, liebe Freunde
bis dann also
Doris und Rüdiger

Sonntag, 27. Mai 2018

Aus dem Puzzle wird ein Reisemobil



Es gibt Wichtigeres im Leben, als ständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.
                                                            Mahatma Gandhi

Und genau deshalb, liebe Freunde, lassen wir uns Zeit und setzen uns so gut wie keine Termine, oder nur wenige, die uns wichtig sind.

Da steht es nun unser neues Reisemobil.
Noch ist einiges zu bauen, zu ergänzen, zu gestalten.
Zuerst baut Rüdiger die Garage für das Moped und die Fahrräder aus den Seitenwänden des abgebauten Koffers.
Durch die Erhöhung ist zwischen Kabine und Fahrgestell gibt es viel Platz für zusätzliche Stauräume.


Der Alkoven ist so weit oben, dass ich von der Sitzbank aus nicht hinein komme. Also verlängert Rüdiger die Sitzbank und fügt als Rückenlehne eine Stufe zum Alkoven ein.



Der Absorberkühlschrank wird rausgeschmissen, er verbraucht viel zu viel Gas. Dafür wird unser guter alter Kompressorkühlschrank wieder eingebaut. Er ist zwar kleiner, aber leistungsstärker und hat uns bisher immer ausgereicht. So entsteht auch noch Platz für eine zusätzliche Schublade.
Auch im Bad ist viel Platz für Schränke und Regale.
Es gibt also viel zu tun.

Im Mai haben wir herrliches Wetter, der Garten zieht sein grün-buntes Kleid an, wir genießen die Sonne und die Ruhe.
Über das Himmelfahrtswochenende besucht uns unser Sohn mit Familie. Der jüngste Enkel beaufsichtigt die Baumfällarbeiten von der Schubkarre aus.


nach getaner Arbeit wird gebadet


und natürlich stehen auch Literaturveranstaltungen auf dem Programm.


Ein kurzer Berlin-Trip folgt, die Umschreibung zum Wohnmobil wird bei der Zulassungsstelle getätigt und der Düdo abgemeldet.
Kaum sind wir wieder im Garten meldet sich ein Interessent. Ich setz mich also wieder in den Zug, fahre in die Hauptstadt und veranstalte eine weitere Führung. Wir verabreden uns für ein paar Tage später, ich fahre zurück nach Sachsen-Anhalt. Diesmal macht es den Eindruck, als passten Mensch und Auto zusammen.
Das Basiscamp soll noch einmal konsultiert werden, bevor die endgültige Entscheidung fällt. Fast einen Tag lang werden technische Daten ausgetauscht, wird vermessen und geprüft. Dann, fünf Minuten bevor alles in Sack und Tüten ist, macht er einen Rückzieher.
So bleibt der Düdo am Verein stehen und wir machen uns mit unserm Neuen – wir haben noch keine richtige Idee wie wir ihn nennen wollen – auf den Weg. Zuerst in die Prignitz zu unserer Jüngsten, dann nach Lübeck, wo Freund Jan zur alljährlichen Geburtstagsparty geladen hat.
Tagsüber schlendern wir durch die alte Hansestadt, 






schon am Nachmittag und vor allem abends sitzt eine fröhliche, entspannte Runde am Feuer und lässt es sich gut gehen. 



 

Wir genießen die Zeit in Lübeck bei schönem Wetter, bevor es wieder zurück nach Berlin geht.
Das Puzzlemobil soll fertig gestellt werden, bevor wir zu einer Deutschlandrunde aufbrechen.
Bis dahin hoffen wir auf schönes Wetter. 
Im Garten hängen Bäume und Sträucher voller Früchte, die Sonne zum reifen brauchen. Es wird einiges zu ernten geben. Es gilt leere Marmeladengläser zu füllen.

Bis bald also
Doris und Rüdiger

Mittwoch, 2. Mai 2018

Verrückt. Ohne Frage



Die einzige Möglichkeit, etwas vom Leben zu haben, ist, sich mit aller Macht hineinzustürzen.
                                                                           Angelina Jolie


Ja, liebe Freunde, genau das tun wir – immerzu.
Zugegeben in unserem Alter ist das mitunter anstrengend und bringt uns an unsere Grenzen, aber es hält auch jung.
Ein alter Bekannter sagte dazu: „Ihr seid verrückt! Ohne Frage.“
Genau!

Der IVECO steht also in unserem Garten und der Düdo zum Verkauf in Berlin. Mit Wehmut aber auch Vorfreude auf das Neue fahren wir mit ihm ein letztes Mal die Strecke von Sachsen-Anhalt in die Hauptstadt. Schöne Reisen haben wir mit ihm gemacht, uns wohlgefühlt in ihm. Aber Loslassen konnten wir schon immer ganz gut und so richten wir auch diesmal unseren Blick nach vorn.

Bevor wir aber diese für uns letzte Fahrt mit dem Düdo antreten, ist ein hartes Stück Arbeit zu bewältigen.
Der Koffer muss vom IVECO runter.
Mit Hilfe unseres Nachbarn und seines Bruders ist das erstaunlicherweise an zwei Tagen erledigt.










Da steht er nun. Nackig sozusagen.


Ich räume in der Zeit den Düdo vollkommen aus, putze ihn noch einmal durch.
Komisches Gefühl.



Dann, in Berlin, wird der IVECO angemeldet zusammen mit dem Moped.
Nun sind wir beweglich.



Rüdiger fährt dann auch gleich mit dem Roller zurück nach Sachsen-Anhalt. „Ein ganz anderes Feeling!“ sagt er, „gewöhnungsbedürftig, aber es macht Spaß.“






 Er erledigt die Restarbeiten am IVECO. Die Kofferlagerung muss schmaler gemacht werden, die Seitenleuchten angebracht, die Schutzbleche versetzt...

Dann macht sich Rüdiger auf nach Spanien, die Kabine holen. Er fährt allein, schläft im Fahrerhaus nach seinem eigenen Rhythmus. Eine Zwischenstation legt er bei der Firma Stauber ein, wo das Fahrgestell für die Kabinenmontage vorbereitet wird.
Uns war noch nicht klar, ob der Überhang nach hinten länger sein, oder das Fahrgestell höher gesetzt werden soll, denn unter den Alkoven der Kabine soll die Mopedgarage ihren Platz finden. Herr Stauber erhöht das Fahrgestell, die Überlänge käme nicht durch den TÜV.
Und schon ist Rüdiger wieder auf der Straße Richtung Spanien.

Da der Düdo inseriert ist, kümmere ich mich in der Zeit um die Anfragen und im besten Fall um die Abwicklung des Verkaufs.
Erste Besichtigungen finden statt.
Es ist schon spannend was da für Leute auftreten. Von „Hurra – ach nee, doch nicht“ über „Na, mal sehen“ bis hin zu „Also, wenn ich Ihnen raten darf...“ ist alles dabei.
Dazwischen Eltern-, Kinder-, Enkelbesuche, Treffen mit Freundinnen, Internetrecherchen, Telefonate mit Versicherungen, Versandfirmen und dergleichen mehr.

Nach 8 Tagen ist Rüdiger zurück mit unserem neuen Reisemobil. In dieser Zeit ist er 4800 Kilometer gefahren, hat zwei Zwischenstopps bei der Firma Stauber eingelegt und zwei Tage bei der spanischen Firma gewartet, dass die Restarbeiten beendet werden.
Verrückt, oder?
Nun steht er am Verein – unser Neuer.

 
Und, wie kann es anders sein, es gibt noch jede Menge Arbeit bis er wirklich fertig ist.
Die Garage unter dem Alkoven muss geschlossen werden, die Gasflaschen sollen unter der Kabine angebracht werden, ebenso ein Abwassertank und eine Leiter. Innen soll es eine Trittstufe in den Alkoven in Form einer Sitzbank mit breiter Rückenlehne geben und im Bad ist noch viel Platz für Schränke.
Die Solaranlage und die Batterien müssen installiert und angeschlossen werden.
Da gibt es natürlich die Kategorien „ganz wichtig“, „wichtig“ und „weniger wichtig“, aber alles in allem ist es einiges an Arbeit. Dafür wollen wir uns den Sommer über Zeit lassen, Pausen sind eingeplant.

Wir werden Euch natürlich über den Fortgang der Arbeiten auf dem Laufenden halten.

Bis dann also
Doris und Rüdiger

Montag, 16. April 2018

Baukasten Reisemobil



Man sollte Wünsche und Träume in Stein meißeln
aber Pläne in den Sand schreiben...

Liebe Freunde,
eine mehr als turbulente Zeit liegt hinter – und vor uns.
Zunächst überqueren wir das Meer,


verlassen Marokko fast fluchtartig, landen in Algeziras


und genießen nach über vier Monaten inbrünstig Schinken, Käse, Wein und viele andere Dinge auf die wir gern verzichtet hatten.


Die europäische Welt mit all ihren Annehmlichkeiten und ihrem Komfort ist fast ein Schock. Wir haben aber nicht viel Zeit uns dem hinzugeben, wir haben andere Sorgen. Überall blühte es, dass Mittelmeer strahlte in schönstem Blau, wir haben keinen Blick dafür. 



 
Die Bremsen werden immer schlechter. Rüdiger wehrt sich dagegen noch einmal jemanden dran rumschrauben zu lassen, das richtige Ersatzteil gäbe es ja hier auch nicht. Er erarbeitet sich eine Taktik mit Motorbremse, Handbremse und Gangschaltung zu bremsen und wir fahren, wo immer es möglich ist, Autobahn, damit so wenig wie möglich gebremst werden muss. Wir tun uns auf der spanischen Küstenautobahn A7/AP7 mörderische Tagesetappen an. Die erste führt uns bis Palamos, unser Ziel ist Alicante.
Warum Alicante?
Wie gesagt haben wir die Absicht uns von unserem Düdo zu trennen und eine Alternative zu suchen. Wie wir nun mal gestrickt sind, beginnt die Suche in unseren Köpfen schon in Marokko, nachdem der Beschluss gefasst ist.
Alle möglichen Varianten werden diskutiert.
Kastenwagen – in der Regel zu wenig Bodenfreiheit. LKW – hatten wir schon... viel zu groß. Was Neues, was Gebrauchtes? Sogar „Joghurtbecher“ war kurz im Gespräch – wurde aber schnell verworfen. Ein Pritschenwagen, auf den ein Wohnwagen gesetzt wird, ist eine ernsthafte Idee. Nicht unbedingt schön, aber selten. Auf der Suche nach einem passenden Wohnwagen stößt Rüdiger auf eine Anzeige, in der zwei nagelneue Wohnkabinen angeboten werden. Überproduktion aus einem Großauftrag, Produktionsstätte in Aspe bei Alicante.
Das ist es. Wir rufen die Firma an, verabreden, dass wir einfach hinfahren und uns die Kabinen ansehen können.
Das Industriegebiet, in dem sich die Produktionsstätte befindet, liegt dicht an einer der großen Fernverkehrsstraßen, also machbar. Freundlich werden wir empfangen, man hatte uns schon erwartet. Die beiden Alkovenkabinen stehen in einer Ecke der großen Werkshalle. Na klar, Joghurtbecher feeling, aber auf dem richtigen Fahrzeug wird das einmalig sein und wir sind zugegebenermaßen überwältigt von dem Raumgefühl. Rüdiger hat Stehhöhe, das Bad ist riesig, weil es sich über die gesamte Rückwand erstreckt.
Ein paar Verschönerungen, ein paar Basteleien hier und da, passt!
Wir nehmen Verbindung auf zu Stauber Motorhomes, Herr Stauber ist unkompliziert und kompetent. Nun fehlt uns noch das Fahrzeug. Klar ist zu dem Zeitpunkt schon, in Frage kommen Mercedes Sprinter oder Vario, IVECO, allenfalls Mitsubishi Canter. Und da wir nicht nur in Europa reisen wollen, darf er keine Euro4 Norm oder höher haben. Euro3 wäre ideal. Nicht leicht zu finden.
Rüdiger grast mobile.de und ebay Kleinanzeigen ab. Da ist wenig im Angebot, anscheinend sind diese Fahrzeuge sehr begehrt.
Ein erster Versuch in Cloppenburg schlägt fehl. Das Auto dort (ein Mercedes Vario) ist reserviert, wie liebe Freunde die uns, die in der Nähe wohnen, recherchieren. Sie bleiben am Ball, würden für uns sogar das Fahrzeug besichtigen und im Ernstfall kaufen, aber einen Tag später kommt die Nachricht: tut uns leid, das Auto ist verkauft.
Drei Autos sind irgendwann noch in der engeren Auswahl. Ein Sprinter in München, ein IVECO in Darmstadt, ein Mitsubishi in Berlin. Der Sprinter hätte die idealen Maße, der Verkäufer, ein muffliger KFZ Meister, ist allerdings nicht bereit es zu reservieren und ist auch sonst nicht sehr gesprächig. Der IVECO hat noch einen Koffer drauf, ist aber glaubhaft in sehr gutem Zustand. Der Verkäufer des Mitsubishi klingt eher dubios.
Unser Höllentrip geht weiter. Rüdiger kämpft mit den Bremsen, ich versuche ihn moralisch zu unterstützen und kümmere mich um die organisatorischen Dinge. Wir düsen durch Frankreich, übernachten auf einem Rasthof, ganz ruhig und ungestört, unser Ziel ist München, das eigentlich nicht auf unserem Weg liegt. Noch einmal rufe ich dort an, es führt kein Weg zu einer Reservierung. Wir sind nicht schnell genug und es geht auf Ostern zu. Das heißt der Karfreitag fällt schon mal weg, uns bleiben wenige Tage. Die Beurteilungen die ich im Internet über den KFZ Meister finde, sind eher entmutigend. Was tun? Kurzentschlossen rufe ich in Darmstadt an. Auf Grund des Anzeigentextes für den IVECO hatten wir uns eine Frau vorgestellt, die einen Blumenladen hat und ein Auto, das von einem Rentner gefahren und gepflegt und gewartet wird. Der Rentner ist zu alt zum fahren, das Auto wird verkauft. Am Telefon habe ich eine hektische junge Frau, deren Mann ein Fuhrunternehmen gegründet und den IVECO von einer Gärtnerei gekauft hat. Wir erfahren, dass es noch einen weiteren Interessenten gibt, die Familie aber am Ostersonntag in den Urlaub fliegen will. Eine schwierige Situation. Die junge Frau schlägt eine Anzahlung vor. 500 € klingen für uns nicht nach betrügerischer Absicht, wir lassen uns darauf ein. Ein Besichtigungstermin für den Donnerstag vor Ostern wird vereinbart.
Eigentlich wollten wir mit dem Düdo so schnell wie möglich nach Birkenwerder ins Basiscamp. Mit den Jungs dort haben wir schon Kontakt aufgenommen, wir werden erwartet. Wir sagen alle Besuche bei unseren Freunden ab, die auf dem Heimweg geplant waren, so weh es auch tut. Aber Darmstadt ist gut per Autobahn zu erreichen, also werden wir diesen kleinen Umweg noch machen.
Ein weiterer langer Fahrtag bringt uns über Ettenheim bis Darmstadt. Pünktlich sind wir am verabredeten Ort, der Verkäufer des IVECO trifft wenig später ein. Das Auto ist auf einem Gehöft untergestellt in einer Halle, scheint der Beschreibung zu entsprechen. In der Anzeige war als Grund für den Verkauf „Verlust des Führerscheins“ angegeben. Nun erzählt er eine wilde Geschichte von Überladung und einer Polizeikontrolle. Irgendwie seltsam deswegen ein Auto gleich zu verkaufen, aber es scheint in Ordnung zu sein, also werden wir uns einig. Er übergibt uns einen Ordner mit und einen Schlüssel. Auch er hat nur einen Schlüssel bekommen. Sowas kommt öfter vor. 
 
Wir verabreden mit dem Vermieter der Halle, dass Rüdiger das Auto ein paar Tage später abholt. Wieder geht es auf die Autobahn. Wieder übernachten wir auf einem Rasthof ruhig und ungestört. Am Karfreitag gegen Abend sind wir in Berlin, stellen den Düdo am Verein ab und sind froh, heil angekommen zu sein. Das Osterwochenende verbringen wir nun doch mit Kindern und Enkeln. Rüdiger holt ein Überführungskennzeichen
Für die Zulassungsstelle braucht man ja bekanntlich eine EVB-Nummer von seiner Versicherung. Da unsere nicht reagiert hatte, hatte Rüdiger im Internet über ein Versicherungsvergleichsportal die preiswerte Sparkassen-Versicherung gefunden. Zunächst mal muss der IVECO ja als LKW gemeldet werden. Als er nun von der Zulassungsstelle zurück kommt, ruft unsere Versicherung an. Wir bekommen ein Angebot, das weit über dem liegt was die Sparkassen-Versicherung verlangt. Die nette Mitarbeiterin macht Rüdiger darauf aufmerksam, dass man bei LKWs seine Schadenfreiheitsklasse nicht mitnehmen kann. Er fragt bei der Sparkassen-Versicherung nach. Die dortige Mitarbeiterin wundert sich: „Wie sind sie denn da durchgeschlüpft? Wir dürfen eigentlich keine LKW versichern. Die Zulassungsstelle hätte das an der EVB Nummer sehen müssen“. Wir sind baff. Kann man sich noch auf irgendwen verlassen?
Egal, wir haben ein Kennzeichen und mit dem wird das Auto geholt. Am Freitag will Rüdiger nach Darmstadt fahren.
Am Donnerstag sind wir bei unserem Sohn, gehen nicht zu spät nach Hause, der Zug fährt morgen um 4.35 Uhr. Im Treppenhaus bleibt Rüdiger plötzlich stehen und wird ganz blass, ich denke jetzt ist es soweit, jetzt ist alles zu viel, frage nach. Ihm ist gerade eingefallen, dass der Schlüssel vom IVECO im Düdo liegt, der steht seit gestern in Birkenwerder, es ist 18.00 Uhr. Wir stornieren die Fahrkarte, buchen für Samstag.
Am nächsten Tag fährt er also ins Basiscamp, die haben den Düdo fertig. Super. Und was war es nun? Der Hauptbremszylinder leckte. Ach nee! Und der linke Radbremszylinder war völlig hinüber. Nun sind neue Teile eingebaut worden, alles funktioniert wieder wie es soll. Rüdiger fährt also nach Darmstadt, bringt den IVECO nach Sachsen-Anhalt in unseren Garten. Dort soll der Möbelkoffer abgebaut werden.
Er kommt zurück nach Berlin, wir mieten einen Motorradhänger und düsen mit dem Düdo nach Neumünster. Warum das? Schon seit dem letzten Jahr denkt Rüdiger darüber nach ein Moped zu kaufen. Man könnte damit Ausflüge vom jeweiligen Standort machen, einkaufen auch wenn man weiter von einem Ort entfernt steht, kurz, man ist mobiler.
Von Marokko aus findet er den idealen Roller zum besten Preis. Er ist gebraucht, aber in einem super Zustand. Das Autohaus Aschkar ist freundlich und unkompliziert, Kaufvertrag und Anzahlung werden online getätigt, als wir in Deutschland sind und uns melden, bekommen wir sofort die Papiere geschickt, damit wir ihn anmelden können.
Nun fahren wir also in den Norden und holen unseren Honda SH 125.

Damit fahren wir dann endlich in unseren Garten.
Da stehen sie dann hintereinander in der Zufahrt – der alte Düdo und der wesentlich jüngere IVECO. 


 
Während Rüdiger sich daran macht, den Koffer des IVECO abzubauen,
 






räume ich den Düdo aus. Und es überkommt mich doch so etwas wie Abschiedsschmerz. Schöne Reisen haben wir mit ihm gemacht, viel Zeit und Arbeit haben wir in die Innenrestauration gesteckt, er war für fast drei Jahre unser Zuhause.
Nun wird er nach Berlin gefahren und verkauft.
Darum werde ich mich kümmern, während Rüdiger nach Spanien fährt um die Kabine zu holen.
Ob alles so reibungslos klappt, wie wir es uns vorstellen?

Wir werden es Euch berichten.

Bis dann also,
Doris und Rüdiger