Donnerstag, 23. November 2017

Es fühlt sich so vertraut an



Wir sprachen von fernen Küsten,
Vom Süden und vom Nord,
Und von den seltsamen Völkern
Und seltsamen Sitten dort ...
Heinrich Heine




Da sind wir nun also wieder in Marokko, liebe Freunde. Es fühlt sich so vertraut an, als wären wir nur ein paar Tage weg gewesen.


Alles verlief schnell und reibungslos. Die Fahrt nach Los Barrios zu Carlos' Ticketbüro, wo es zur Fahrkarte wieder Kuchen und Wein gab, die Überfahrt auf der fast leeren Fähre,



 die Abfertigung im Hafen Tanger Med.



Wir wollen Tetouan sehen.
Die Strecke vom Hafen ist spektakulär mit herrlichen Aussichten. Von hoch oben können wir zurückschauen auf Spanien.


Der zugegeben nicht topaktuelle WoMo Führer weist auf einen Parkplatz in Tetouan hin, auf dem man stehen kann. Für eine Nacht wäre das ideal. Leider erwartete uns eine Enttäuschung. Der Parkplatz existiert nicht mehr. An seiner Stelle befindet sich jetzt ein schön gestalteter Platz mit Brunnen. Wir stecken im Gewirr der Gassen, uns bleibt als Rückweg nur die Möglichkeit mitten durch den Souk zu fahren. Freundlich wird uns Platz gemacht.
Wohin nun? Uns fällt der Badeort Martil ein, ganz in der Nähe. Dort waren wir im Januar bevor wir nach Spanien übersetzten.
Der Campingplatz ist schnell wiedergefunden, er ist fast leer. Ein Platz an der Sonne zum aussuchen, eine heiße Dusche, hundert Meter zur Strandpromenade, was will man für den Anfang mehr?



Abends essen wir in der Gasse mit den Fisch- und Gemüseständen,

am nächsten Tag finden wir einen Laden, in dem wir eine SIM Karte von der Maroc Telecom bekommen. Nun sind wir auch wieder mit Familie und Freunden verbunden. Wir sitzen im Cafè an der Straße und schauen dem Treiben zu. Wir sind angekommen.


Weiter geht es Richtung Süden auf der N-13. Auch diese Strecke hält jede Menge spektakulärer Aussichten bereit. Durch das Rif Gebirge fahren wir, lassen Chefchaouen links liegen und passieren bergauf, bergab die unendlich vielen Kurven. Die Straße ist stark befahren, vor allem von LKWs, die tiefe Spurrillen hinterlassen haben, was das Fahren zusätzlich sehr anstrengend macht. Hinter Ouezzane wird es weit und hügelig und gigantische, frisch gepflügte Felder erstrecken sich bis zum Horizont. 

 
An der ganzen Strecke ist die Olivenernte im Gange. Männer schlagen mit langen Stangen die kleinen Früchte von den Bäumen, Frauen und Kinder lesen sie von den unten liegenden Planen auf. Vor den Ölmühlen liegen diese dann in großen Bergen und warten auf ihre Verarbeitung.
Mandarinen und Granatäpfel werden an der Straße feilgeboten.
Kurz vor Meknes sind wir total k.o. und schwenken kurzerhand zum Campingplatz Belle Vue ein.
Schön angelegt in Terrassen bietet er einen weiten Blick über die Ebene, wenn man durch die Olivenbäume durchlinst. 

 
Wir stellen uns unter einen der voll hängenden Bäume und haben sofort Besuch. 


Auf jedem Marokkanischen Campingplatz gibt es Katzen. Diese hier betteln besonders hartnäckig, aber wir haben nichts, das wir ihnen geben könnten, außer einem Schälchen Milch mit Wasser und etwas Brot. 

 
Am nächsten Tag geht es weiter durch Meknes bis Azrou, von dort auf die N-8 und dann hinein in die Berge.
Am Schwimmbad hoch über Tioudirine treffen wir die erste Horde wild lebender Berberaffen. Sie sind scheu aber neugierig.





Die kurvenreiche Strecke führt durch Zedern- und Steineichenwälder und weite kahle Täler in denen Nomaden in Plastikzelten leben. Immer wieder überqueren ihre Schafherden die Straße.




Diese zwei haben absolut die Ruhe weg.




Dann erreichen wir die Quellen des Oum-er-Rbia, des größten Flusses von Marokko. Eine der Quellen ist salzhaltig, es sieht aus, als sei hier schon Schnee gefallen.







An den Straßenrändern gluckert auf der ganzen Strecke Wasser in gemauerten Kanälen oder einfach in kleinen Bächen.

An einer Baustelle müssen wir warten und entdecken dabei ein Filmcamp. Die Berge bilden anscheinend die perfekte Kulisse für den Dreh.

Die Sonne steht schon ziemlich tief und wir suchen uns auf einer kleinen Ebene an der Straße einen Platz für die Nacht.


Nach Einbruch der Dunkelheit ist es hier absolut still, kein Laut ist zu hören, über uns funkeln Myriaden von Sternen.


Bis Khenifra sind es etwa 30 Kilometer.
Überall an der Straße sehen wir Anhalter. Es gibt Sammeltaxis, aber die kosten Geld und es ist fast selbstverständlich dass, wer Platz hat, jemanden mitnimmt. So nehmen wir ein Paar mit in die Stadt. Die junge Frau und ich sitzen hinten. Wir erzählen uns mit Händen und Füßen von unseren Kindern, denn sie spricht nur Berber, kein Französisch. Trotzdem erfahre ich, dass sie zwei kleine Kinder hat, die bei der Oma im Dorf sind, während sie mit ihrem Mann in der Stadt ist. Die meiste Zeit jedoch lächeln wir uns an.
Wir bleiben auf der N-8 bis Zaoua-ech-Cheikh, dann biegen wir ab in den Hohen Atlas. Das Vorgebirge erstreckt sich bis El-Ksiba, von dort führt die R-317 direkt hinauf auf den ersten Pass. Die Landschaft ist unglaublich schön in ihrer Kargheit. Bis Cherket ist die Straße neu, breit ausgebaut, es fährt sich trotz der Kurven und Anstiege gut. Ab diesem Punkt wird gebaut. 


Die Baustelle ist viele Kilometer lang und befindet sich in den unterschiedlichsten Stadien. An einigen Stellen werden nur noch die Ränder befestigt oder gesäubert, an einigen wird der alte Belag aufgebrochen, an wieder anderen gerade erst der Berg abgetragen. Dort liegen die riesigen Steinhaufen noch auf der halben Fahrbahn, es geht mühsam voran, vor allem auf den Schotterstrecken. Wir fahren durch eine einzige Staubwolke.




Der nächste Pass ist auf 2351m,

 dann erreichen wir den Lac de Tizlit. Eine blau leuchtende Wasserfläche inmitten dieser kargen ockerfarbenen Berge. 





An seinem Ufer liegt die Auberge Tizlit.
Sie wird von einer älteren Frau betrieben, die uns herzlich begrüßt und zum Tee einlädt. Gleichzeitig mit uns ist eine junge Frau angekommen. Zu Fuß. Sie wirkt verfroren und verhärmt. In dem großen Zimmer mit dem Ofen kommen wir ins Gespräch. Sie kommt aus Berlin-Marzahn und ist allein zu Fuß unterwegs. Sie hat keinen Pass, erzählt eine etwas wirre Geschichte über dessen Verbleib in einem anderen Ort. Unser Angebot, sie irgendwohin mitzunehmen, lehnt sie ab, sie will ein paar Tage hier ausruhen. Malika, unsere Wirtin ist nicht begeistert, befürchtet Probleme.
Sie schenkt mir ein paar Tomaten und Äpfel aus ihrem Garten. Sie sagt, es sei wenig Wasser im See dieses Jahr, alles vertrocknet und es sei schon sehr kalt. Sie verdiene nicht viel, es kommen wenig Touristen. Ihr Anmeldebuch belegt das deutlich.
Sie erzählt von drei Söhnen, zeigt Fotos von ihnen und den Enkeln auf ihrem Handy. Ihr Mann hat psychische Probleme, ist seit fast 10 Jahren in Meknes in der Psychiatrie. Es ist ein hartes Leben hier oben. 

 
Am nächsten Morgen zeigt unser Thermometer -3° Außentemperatur, innen sind es 6°. Nur gut, dass unsere Heizung hier auf 2300 m funktioniert, wenn auch mit verminderter Leistung. Zusammen mit der aufsteigenden Sonne schafft sie es zum Frühstück bis auf 15°. Malika weckt sie uns mit frisch gebackenem Brot, das köstlich schmeckt.




Nach dem Frühstück verabschieden wir uns herzlich. Am Wochenende wird sie nach Casablanca fahren, ihre Schulter operieren lassen. Wir wünschen ihr alles Gute.







Kurze Zeit später erreichen wir den höchsten Punkt, den wir je mit einem Auto gefahren sind, den Pass Tizi Tirherhouzine auf 2706 m. Der Düdo stößt schwarze Wolken aus, trotzdem bewältigt er die Höhe erstaunlich gut.



Es ist eine wahre Mondlandschaft, karg und lebensfeindlich – und doch gibt es Leben hier oben. Schafherden weiden an den kahlen Hängen, in den Tälern bestellen Bauern mühsam ihre Felder. 

 
Esel und Maultiere sind oft das einzige Transportmittel.







Bis Tamtattouchte ist es nicht weit. Die Auberge „Les Amies“ hat sich in den fast 9 Jahren seit wir hier waren äußerlich nicht verändert. 
Mohammed ist ein wenig älter geworden, begrüßt uns aber genauso herzlich auf Deutsch und mit köstlichem Tee wie damals.
Was im Innern 2008 eine Baustelle war ist zu einem wunderschönen, gemütlichen Gastraum geworden. 


 Er zeigt uns eines der fertigen Zimmer. Wenn wir nicht unsere Betten dabei hätten, kämen wir glatt in Versuchung...
Mohammed erzählt, dass die Zahl der Gäste seit 2011 stetig
abnimmt, alle Herbergen sind leer. Weiter unten in der Schlucht bauen die Franzosen einen Staudamm, berichtet er, bald ist hier alles überflutet. Die Einwohner demonstrieren jeden Tag, um wenigstens eine Entschädigung zu erhalten. Nichts ist gewiss. Vielleicht bleiben ihnen noch ein paar Jahre. Inscha'a Allah. 


 
Abends heizt er den Kamin für uns an,  






 serviert Suppe und Tajine 
a la maison mit Hackfleisch und Quitten. Köstlich.


Den Tee gießt Rüdiger schon ein wie ein Marokkaner. 
Als Extra gibt es anschließend noch eine kleine Arabisch-Lektion von Mohammed.

Seine Katze ist sehr zutraulich. Sobald ich sitze, lässt sie sich auf meinem Schoß nieder.







Von hier werden wir morgen weiter Richtung Süden fahren, zu den Dünen des Erg Chebbi.






Wir nehmen Euch gerne mit.


Bis dann also
Doris und Rüdiger




3 Kommentare:

  1. Hallo Ihr Beiden,

    es ist so schön wieder mit Euch auf Reisen zu sein. ;)
    Bleibt gesund und weiter so.

    LG Thomas

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  2. Hallo Thomas,
    schön, dass Du wieder dabei bist.
    Bleib auch Du gesund und ... vielleicht sehen wir uns ja im nächsten Jahr.

    Liebe Grüße
    Doris und Rüdiger

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  3. Hallo aus Spandau,
    Es ist schon ganz schön “verrückt“....Hier ist die Welt grau und kalt. Die Berliner hetzen durch die Geschäfte und jagen Xmas Geschenken hinter her. “Gleichzeitig“ist die Welt dort so...ja anders. Dank Euch und Eurem blog gar nicht mehr fremd! Schöner als ein Buch...Reisebericht...eine TV-Reportage. Danke dafür. Liebe Grüsse Euch beiden von Christian

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