Ronda ist eines
der weißen Dörfer. Mit fast 34.000 Einwohnern ist es zwar kein Dorf
mehr, aber es ist weiß und liegt auf einem Felsen, wie die anderen
dieser Bezeichnung auch.
Dazu gehören auch
Antequera, Zahara de la Sierra, Arcos de la Frontera und einige
andere.
Ronda ist die wohl
Berühmteste wegen ihrer Lage auf beiden Seiten der Tejo Schlucht
auf einer Höhe von 723 m über dem Meeresspiegel.
Die Römer bauten
132 v. Chr. eine erste befestigte Anlage und nannten sie Arunda. Auch
hier fielen wieder die Vandalen, Alanen und Sueben ein, als sie im
Zuge der Völkerwanderung um die Mitte des ersten Jahrtausends vorbei
kamen. Es folgten die Westgoten und Byzantiner und zu Beginn des 8.
Jh die Mauren, die auf den Resten des früheren Arunda eine Burg
errichteten.
Mit der
Reconquista durch Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von
Aragon fiel sie dann in christliche Hand. Ferdinand gewährte den
maurischen Bewohnern freien Abzug, aber sie mussten die Stadt
verlassen.
Es folgten
friedliche Jahrhunderte, in denen sich die Stadt zu einer Perle
entwickelte.
Vom Stellplatz
laufen wir die Calle de Malaga etwa 2 Km entlang bis zur
Fußgängerzone. Hier beginnt der neuere Teil der Altstadt.
Läden, Cafès und
Restaurants sind geöffnet und gut besucht. Es ist Wochenende.
Hinter der
ehemaligen Stierkampfarena zieht sich die Paseo de Blas Infante am
Rande der Schlucht des Tejo entlang. Neben Bodenplatten für die
berühmtesten Torreros der Stadt
gibt es hier einen
Gedenkort für den verstorbenen japanischen Maler Miki Haruta, der
hier seine letzten Jahre verbrachte und einen Großteil seiner Arbeit
in Ronda vollendete.
Ronda ist als die
Geburtsstätte des Stierkampfs bekannt und die Arena war eine der
ersten in Spanien. Hier, in dieser Arena entstanden neue Regeln, wie
zum Beispiel der Kampf des Torero zu Fuß und die Verwendung des
roten Tuches.
Am Mirador, dem
Aussichtspunkt, steht ein Pavillon in dem sich eine Harfenspielerin
niedergelassen hat. Leider macht sie gerade eine Pause.
Wir schlendern
also weiter zur Plaza España von der
die Puente Nuevo, die neue Brücke, das Wahrzeichen Rondas, sich über
den Guadalevin Fluss spannt. Nach 42 Baujahren wurde sie 1793
vollendet und ist fast 100 Meter hoch.
Beim
Fotos machen sollte man hier unbedingt auf seine Kamera achten. Es
heißt, jedes Jahr werden hunderte Kameras am Boden der Schlucht
gefunden.
Wir
haben unsere noch und gehen über die Brücke in den ältesten Teil
der Stadt.
An der Plaza
Duquesa de Parcent bewundern wir die Kirche Santa Maria la Mayor und
den Mondragòn Palast, in dem Königin Isabella und König Ferdinand
ihren Hauptwohnsitz während ihrer Aufenthalte in Ronda hatten.
Es war übrigens
die Isabella, die Christoph Kolumbus dazu verhalf auf die Suche nach
dem Seeweg nach Indien starten zu können.
Leider ist – aus
bekannten Gründen – alles geschlossen. Wir schauen uns also den
schönen Platz von außen an und gehen weiter, bis wir auf ein
geöffnetes Museum treffen.
Das Museum Lara –
Museum für Wissenschaft und Geschichte empfängt uns mit offenen
Türen.
Folgt uns auf die
Reise durch die liebevoll gestalteten Räume und Vitrinen
und hinab in den
Keller, der verheißungsvoll angekündigt wird.
Der Raum, in dem
ich mich am liebsten mindestens eine Stunde aufgehalten hätte, ist
dieser hier. Wer mich kennt, weiß warum
Über einen Teil
der alten maurischen Befestigung und durch schmale Gassen
gelangen
wir danach zu diesem Turm
Gebaut als
Minarett, wurde er nach der Eroberung durch die Christen im 15. Jh.
umgebaut zu einem Kirchturm.
In seinem Schatten
machen wir eine Pause, gehen von dort hinunter in den Rosengarten,
der entlang der Stadtmauer mit schönen Aussichtspunkten angelegt
wurde.
Und dann tun uns
die Füße weh und wir treten den Heimweg an.
Unter normalen
Umständen kann man in Ronda an so schönen Wochenenden sicher kaum
treten. Jetzt ist es, der Jahreszeit und der Pandemie geschuldet,
sehr entspannt, was wir natürlich sehr genießen.
Es sind kaum
Touristen hier. So hat eben alles auch immer sein Gutes. In diesem
Fall zumindest für uns. Die Hotel- und Restaurantbetreiber der Stadt
sehen das sicher etwas anders.
Auf dem Stellplatz
versorgen wir uns wieder mit Wasser, entsorgen gründlich und hier
bekommen wir sogar unsere Gasflasche getauscht.
Am nächsten
Morgen machen wir uns auf den Weg ins nächste „weiße Dorf“.
Zahara de la
Sierra thront hoch auf einem Felsen über dem Stausee Embalse de
Zahara – El Gastor im Narurpark Sierra de Grazalema und ist
verhältnismäßig klein.
Ein Zwischenstopp
am schön gestalteten Mirador
gibt Rüdiger die
Gelegenheit zu erkunden, wo es hier eine Möglichkeit zum Übernachten
gibt. Am Stausee ist es verboten, eben weil es ja ein Naturpark ist.
Er findet einen
Parkstreifen unterhalb des Städtchens. Dort stehen schon andere
WoMos, wir fahren also dort hin, vorbei an blühenden Bäumen.
Am nächsten Tag
steigen wir hinauf in den wunderschönen kleinen Ort.
Schon in Antequera
gab es steile Straßen und viele Stufen, das war jedoch ein Klax
gegen Zahara de la Sierra.
Überall treffen
wir auf schwarz gekleidete, cool aussehende junge Leute mit viel
Gerätschaft. Schon gestern hatte Rüdiger bei seinem ersten
Erkundungsgang vermutet, dass hier ein Film gedreht wird.
Die Anwesenheit
eines Polizeiautos älteren Baujahrs legt die Vermutung nahe, dass es
sich um einen Krimi aus der jüngeren Vergangenheit handelt.
An einigen Stellen
wird schon wieder ab- an anderen aufgebaut.
Wir müssen einen
Moment warten und werden gebeten ganz still zu sein, damit eine Szene
abgedreht werden kann.
Weiter geht's aufwärts
Keuchend kommen
wir dann oben beim Turm an, dem letzten Überbleibsel der maurischen
Burg.
Der Blick von hier
oben ist atemberaubend.
Wie ein riesiger
Smaragd liegt der See unter uns. Schon im Vorbeifahren hatten wir
gesehen, dass sein Wasserstand extrem niedrig ist. Die freigelegten
Kalksteinufer sehen von hier oben aus, wie eine Fassung aus einem
gelblichen Metall für dieses Juwel.

Eine Holztreppe
führt hinab zum Friedhof, von dem man sicher einen wunderbaren Blick
hat.
Unten angekommen,
stehen wir vor einem mobilen Zaun. Wieder hoch ist nicht wirklich
eine Option, das Hindernis nicht unüberwindlich.
Von dort laufen
wir zum Platz vor der Kirche. Wir werfen einen Blick hinein
und machen eine
Pause in der Venta gleich daneben.
Nun ist es nicht mehr weit zum Wohnmobil. Ein letzter Rundblick und auf geht's nach Arcos de la Frontera.
Wenn wir die
anderen „weißen Dörfer“ schon wunderschön fanden, Arcos de la
Frontera beeindruckt uns auf ganz besondere Weise. Es verzaubert uns
mit seinem maroden Charme.
Zunächst finden
wir einen Parkplatz unterhalb der Altstadt, wo wir unbehelligt stehen
können. Am Tag füllt er sich mit den Autos der Leute, die etwas in
der Stadt zu erledigen haben, abends wird es still.
Über eine
Fußgängerbrücke gelangen wir zu einer Treppe, die in die Altstadt
hinauf führt. Etwa 60 Stufen sind zu bewältigen und dann tauchen
wir ein in das Gewirr von Gassen, Treppen, Durchgängen und Altanen.
Alles erinnert
unweigerlich an die arabischen Städte Nordafrikas, die Struktur
dieses Ortes erzählt die Geschichte seiner Entstehung besser, als
jedes Geschichtsbuch es könnte.
Das Meiste hier
hat schon bessere Zeiten gesehen. In fast jeder Straße gibt es ein,
zwei Häuser, die zum Verkauf stehen, viele Läden sind geschlossen.
Unter anderem
treffen wir auf diesen Herrn.
Julio Marescal
Montez war ein Poet und Flamenco Komponist. Er wurde 1922 in Arcos
geboren, starb 1977 in Cadiz und wird sehr verehrt.
Angekommen auf dem
großen Platz, besichtigen wir die Kirche Santa Maria de la Asunciòn.
Dann nimmt uns der
„Glöckner“ mit hinauf auf den Turm. Hier oben steht man direkt
unter den Glocken und hat eine wunderbare Aussicht.
Die Burg ist Privatbesitz und kann leider nicht besichtigt werden.
Dann traben wir weiter
hinauf und hinab, bis uns dieses Schild den Weg zum Mirador weist.
Ganz allein können
wir hier über die schöne Landschaft gucken.

m
In den Sträßchen
hinter der Kirche finden wir die Bar „San Marco“. Die Leute, die
hier sitzen sind augenscheinlich Stammgäste, Touristen sind wohl
momentan eher selten.
Ein ausgesprochen
netter junger Kellner serviert uns ein ausgesprochen köstliches Menu
del dia.
Wir sitzen in
einer schattigen Nische und beobachten fasziniert, wie die Autos
durch die engen Gassen kurven. Nach unserem Gefühl passen mal gerade
zwei Fußgänger aneinander vorbei, aber hier braust sogar der
öffentliche Nahverkehr in Form eines Mini-Busses um die Ecke.
Bei einem
begeisterten jungen Bäcker kaufen wir später die Spezialität des
Ortes.
Die Bollos de Arcos sehen aus wie
Donuts, aber der Teig ist schwerer, in Fett gebacken und es hat eine
deutliche Anisnote. Er freut sich besonders, dass ich ein Glas Honig
mitnehme, das von seinem Freund kommt, der, wie er versichert, alles
100% natürlich herstellt. Er zeigt mir ein Video von den Bienen auf
ihrer Weide im Wald in den Bergen. .
Da wir uns hier so
wohlfühlen, bleiben wir noch einen Tag, machen einen weiteren
Rundgang. Immer mehr und mehr Häuser entdecken wir mit dem Schild
„se vende“. Die halbe Altstadt ist zu verkaufen, unter anderen
das Haus, in dem sich die kleine Bäckerei befindet. Es ist
regelrecht erschütternd, dass diese schöne Stadt anscheinend immer
leerer wird.
Aber die, die noch
da sind, feiern das Leben. Noch einmal kehren im „San Marco“ ein,
dort sitzt die selbe Frau wie gestern, begrüßt uns herzlich, weißt
auf das schöne Wetter hin und freut sich, als ich ihr sage, wie
schön wir die Stadt finden.
Drei weitere
Frauen setzen sich an den Nebentisch, bestellen eine Flasche Wein und
fragen uns, ob es stört, wenn sie rauchen. Und das im Freien! Wir
verneinen freundlich, da sagt eine von ihnen, sie habe heute
Geburtstag. Daraufhin singen alle Gäste lauthals die spanische
Version von Happy Birthday „Feliz Cumpleaños
...“ und wir singen und klatschen mit. Es ist eine fröhliche
Gemeinschaft von Nachbarn und Freunden, und es macht Spaß mittendrin
zu sein.
Wieder
ist das Essen ein Gedicht, der junge Kellner ist begeistert, dass es
uns so geschmeckt hat und wie gestern bekommen wir einen Kräuterlikör
aufs Haus.
Noch
einmal schlendern wir durch die Straßen und besuchen den freundlichen Bäcker, gönnen uns einen
Nachtisch und gehen beschwingt zurück nach Hause.
Am
nächsten Morgen fahren wir nach Jerez de la Frontera.
Mögt
Ihr Cherry? Der aus Jerez ist weltberühmt. Aber auch wenn nicht,
kommt mit und entdeckt mit uns seine Heimat.
Bis
bald also
Doris
und Rüdiger