Mittwoch, 12. Dezember 2018

Pharaos Rache




Viel zu spät begreifen viele
die versäumten Lebensziele,
Freunde, Schönheit der Natur,
Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise!
Höchste Zeit ist's! Reise, reise!

                           Wilhelm Busch



Wenn wir dachten wir sind abgehärtet, so stellt sich das als Irrtum heraus, liebe Freunde. 
In der zweiten Woche trifft sie uns – Pharaos Rache. In Marokko nennt man das Express Marrakesch, in Deutschland kurz Magen-Darm. Glücklicherweise sind die Toiletten strategisch gut über das Hotelgelände verteilt und an jeder Ecke gibt es, wie in Deutschland, eine Apotheke.
Zuerst trifft es Rüdiger. Einen Tag lang gehe ich allein zu den Mahlzeiten, Rüdiger schläft und trinkt Wasser. Als es am zweiten nicht wesentlich besser ist, werden Maßnahmen beschlossen. Julia, die Reiseleiterin, hatte uns für diesen Fall die Klinik, nur hundert Meter neben der Hotelanlage, als kompetent und preiswert empfohlen. Wir machen uns also vor dem Frühstück auf den Weg. Am Eingang spricht uns eine Frau auf Englisch an, hier würde erst um 10.00 Uhr geöffnet. Gegenüber sind zwei Apotheken. Als wir darauf zusteuern hält sie uns auf. Die seien zu teuer, aber sie habe Zeit und würde uns zur besten Apotheke der Stadt begleiten. Sie hält ein Taxi an – es sei zu weit zu Fuß – wir steigen ein und los geht’s. Sie kennt sich anscheinend sehr gut aus, der Fahrer hat keine Chance Umwege zu machen, als wir am Ziel sind verhandelt sie knallhart um den Preis.
Die Apotheke erweist sich als groß, modern und kompetent. Wir bekommen ein Durchfallmedikament und da Rüdiger ein wenig Fieber hat auch gleich noch eine Packung Paracetamol. Die nette junge Apothekerin schreibt die Dosierung auf die Packung, erklärt die Einnahme. Wir bezahlen etwa ein Drittel von dem, was eine deutsche Apotheke berechnet hätte und schon sind wir wieder auf der breiten Nasser Straße. Unsere Begleiterin stellt sich als Mona vor und erzählt, sie kommt aus Norwegen. Sieh an! Sie ist hier verheiratet und verbringt einen Teil des Jahres mit ihrem Mann bei dessen Familie. Als Diabetikerin kennt kennt sie sich hier mit Apotheken und Medikamenten aus. Haben wir ein Glück! Schon winkt sie das nächste Taxi heran und bringt uns zurück zum Hotel. Unterwegs schreibt sie uns ihre Telefonnummer auf, falls wir Hilfe brauchen. 
Danke Mona!
Die Tabletten wirken schnell, Rüdiger wagt schon Brot und Tee zum Frühstück. Am nächsten Tag grummelt es auch in meinem Bauch. Anna, die es ebenfalls erwischt hat, empfiehlt Anistee, den gibt es hier am Frühstücksbuffet. Zusammen mit den Tabletten wirkt er Wunder. Trotzdem verschieben wir sicherheitshalber den gebuchten Ausflug in die Wüste auf die nächste Woche.
Und hier machen wir eine Erfahrung, die wir bisher nur aus den Berichten im Internet kennen. Unsere Reiseleiterin ist nicht zu erreichen. Die Ausflüge sind gebucht, der Reiseveranstalter alltours hat sein Geld bekommen, ab jetzt macht er sich rar. Auf meine Nachricht antwortet Julia nicht, wir sind verunsichert. Ist der Ausflug nun umgebucht oder nicht? Auf eine zweite, etwas energischere Anfrage kommt kurz angebunden die Antwort: „ist längst umgebucht“. Gut zu wissen. Unter Service haben wir uns allerdings was anderes vorgestellt. Zumal Julia bei der Begrüßung vollmundig verkündete, sie sei jederzeit für uns da. Wir haben also wieder was gelernt.
Den Rest der Woche verbringen wir mit Genesung am Pool, wo uns Anna und Patrick oft Gesellschaft leisten. Wir haben immer was zu reden. So erfahren wir, dass in Holland der Nikolaustag der wichtigste Tag in der Weihnachtszeit ist. Er wird in den Niederlanden gefeiert, wie Heilig Abend bei uns, mit der Familie, es gibt Geschenke und gutes Essen. Heiligabend gibt es natürlich auch, aber ohne Geschenke und große Festlichkeiten.
Am Montag darauf ist der Urlaub der Beiden zu Ende, sie fliegen nach Hause und wir fahren in die Wüste. Nachdem wir uns herzlich verabschiedet haben, warten wir darauf, abgeholt zu werden. Zu Rüdigers Freude fährt ein Toyota Buschtaxi vor und wir steigen ein. 



Mit einem fröhlichen Scherz („Taxi nach Kairo!“) begrüßen uns Abdul, der Fahrer und Achmed, der Reisebegleiter für diesen Tag. Es wird viel gelacht.
Gleich nebenan, im Schwesterhotel Arabia Azur, holen wir Bärbel, Jürgen und Ingolf ab. Wir verstehen uns auf Anhieb.
Der Toyo düst durch Hurghada, unterwegs schließt sich ein zweiter mit zwei jungen Paaren an, dann biegen wir ab in die Wüste, fahren über eine Waschbrettpiste, die uns immer wieder quietschen lässt vor Schreck, auf das Rote-Meer Gebirge zu. Sandfarben und bizarr erheben sich die Berge vor uns, dann führt die Piste wie eine Achterbahn über kleine Hügel hinauf und hinab hinein in ein Tal. Nach einem Fotostopp

landen wir auf einem weiten Platz, der von geflochtenen Unterständen umgeben ist, dahinter können wir Hütten und Ställe der gleichen Bauart sehen. Dort leben die Beduinen.




Wir bekommen Wasser und Sandwiches, dann erzählt Achmed uns etwas über die Geschichte Ägyptens im Allgemeinen und die der Beduinen im Besonderen. 


Es gibt die Möglichkeit Gewürze und Teppiche zu kaufen und auf einem Kamel zu reiten.


Die Kamele werden von den dicht verschleierten Frauen geführt, das Ganze hat was von Ponyreiten auf dem Jahrmarkt. Es geht eine Runde um den nächsten Hügel und wieder zurück. Wir verzichten dankend.


Rüdiger und Ingolf klettern lieber auf den kleinen Berg, den die Kamele umrunden, und genießen die Aussicht.









Achmed führt uns noch zum Brunnen
dann geht es wieder in die Autos und zurück durch die Berge auf die Straße.



Die nächste Station ist ein riesiges, von einer Mauer umgebenes, sandiges Gelände. Der Programmpunkt heißt: Quad und Buggy fahren.
Zunächst werden den Teilnehmern Tücher zugeteilt, mit denen sie Haare, Mund und Nase verhüllen sollen. Rüdiger hat sein eigenes dabei.


Dann erklärt der junge Guide die Fahrzeuge, hilft die Helme aufzusetzen. Bald sitzen alle auf ihrem Quad,


nur Bärbel und ich bleiben zurück bei der Basisstation.
Wir machen Fotos und unterhalten uns prächtig bis die Quadfahrer staubig aber begeistert zurück kommen.




Jetzt geht es zu den Buggys. In die darf man zu zweit einsteigen, da fahren wir beiden Frauen natürlich auch mit.


Die kleinen offenen Autos klappern und scheppern, dass uns die Ohren klingen. Sie holpern und rumpeln mit uns über die Piste – Mad Max Feeling.



Plötzlich heißt es mitten im Gelände „Stopp!“, Ingolf hat ein Rad verloren. Der Guide telefoniert, nach einer Weile wird ein anderes Auto gebracht, Ingolf steigt um, weiter geht’s.
Am Ende sind wir alle ordentlich staubig und durchgeschüttelt. Es war ein Spaß, den wir uns hier mal gönnen, weil wohl auch das zu einem Pauschalurlaub gehört.
Achmed nimmt uns wieder in Empfang und bringt uns zu einem großen Tor durch das wir in eine Art Patio gelangen. Bänke mit Polstern und Tische füllen den Hof vor einer Bühne.



Während die Sonne in einem Farbrausch von Rot, Orange und Gelb untergeht, können wir und frisch machen und etwas ausruhen, wer mag kann ein Terrarium besichtigen, bevor es dann ein Barbecue mit „Kulturprogramm“ gibt.



Der letzte Programmpunkt ist eine große Enttäuschung - Sterne gucken. Der Innenhof ist hell erleuchtet, auf dem Gelände sind ebenfalls Scheinwerfer verteilt, so dass man mit bloßem Auge nur den roten Mars sehen kann. Ein Teleskop steht hinter den Bankreihen, ein junger Mann hat es eingestellt, jeder darf mal durchgucken, das war's. Der Blick lohnt sich für die meisten nicht, denn man darf das Gerät nicht auf seine persönliche Sehschärfe einstellen, so sehe ich nur einen verschwommenen roten Fleck. Schade. Ich hatte mich so darauf gefreut. Die Sterne über der Wüste gehörten auf all unseren Reisen durch Nordafrika zu den schönsten und beeindruckendsten Erlebnissen.

Im Dunkeln geht es zurück nach Hurghada. Vor dem Arabia verabschieden wir uns herzlich von Bärbel, Jürgen und Ingolf. Da alle noch eine Woche hier sind, verabreden wir, uns nochmal zu treffen. Wir sind ja gleich nebenan.

Fazit: wir hatten Spaß, ja, aber noch einmal würden wir so einen Ausflug nicht machen. Nun wissen wir auch, wie „Touristenrummel“ geht. Normalerweise ist das nicht unsere Art ein Land kennenzulernen.

Wir sind nun besonders gespannt auf den letzten Ausflug nach Luxor. Zwei Tage später.



Begleitet uns!



Bis dann also,
Doris und Rüdiger



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